Autor Thema: Was ist Barbiespiel?  (Gelesen 7891 mal)

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Offline korknadel

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #25 am: 18.09.2012 | 07:29 »
Man muss bei diesen Begriffen und speziell bei dem von Kriegsklinge in die Runde geworfenen Begriff Barbiespiel halt immer auch bedenken, dass das ein Konzept ist, dass nicht unbedingt in Reinform im realen Leben vorkommen muss. D.h. es (vor allem) gibt bei DSA einen Aspekt des Barbiespiels, auch wenn man nicht immer den Finger darauf legen kann und sagen: Ha, guckt, genau in diesem Moment macht Herr Müller-Meyer Barbiespiel! Deshalb ist die Abgrenzung zu anderen Aspekten des Spiels auch schwer, weil Barbiespiel und Optimierung ineinanderfließen kann, oder Barbiespiel und Soap (sprich, es kann auf den Spieltisch überschwappen).

Dass es das auch in Reinform gibt, ist aber unstrittig: Ich habe in meiner Kindheit mangels Spielrunde meine Chars durchaus mit Waffen, Klamotten, Portraits, Tieren, NSCs, Palästen (mitsamt Grundrissen), Ländereien und Geschichten ausgestattet, ohne dass diese Dinge jemals an einem Spieltisch zu sehen gewesen wären ...  Das war ganz reines, ehrliches Barbiespiel.  :D

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Offline 1of3

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #26 am: 18.09.2012 | 07:40 »
Ja und es ist ja auch schön, wenn man das machen möchte. Ich habe häufig das Gefühl, dass diese zusätzliche Ausgestaltung häufig allerdings nicht auf freiwilliger Basis mit sich allein und für sich selbst passiert. Ich erinnere mich da an sehr frustrierende Erlebnisse, wo ernst gemeinte Eingaben in die Runde dann gleichsam nicht durchgedrungen sind.

Ich werde mal umfragen.

Offline Jiba

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #27 am: 18.09.2012 | 08:26 »
Mir fällt eine gewisse Parallele zum SL auf, der sich mit Weltenbau/ Settingdetails in etwas Ähnliches wie "Barbiespiel" vertiefen kann, nur dass es eben nicht charakterbezogen ist, sondern welt- oder vielleicht auch NSC-bezogen. Da werden auch Details ausgearbeitet, die nicht unmittelbar für das gemeinsame Rollenspiel relevant sein müssen, aber das individuelle Spielerlebnis erweitern können.

Exakt. Ich nenne sowas Lego-Spiel.
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Offline Xemides

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #28 am: 18.09.2012 | 09:02 »
Teilweise steckt ihr das interessante Dinge rein.

Zum einen  ist bei Earthdawn das Tagebuchschreiben etwas, was sogar ingame belohnt wird, wenn man es bei NSCs abgibt.

Und hier im Forum sind Diaries auch sehr beliebt. Der Blechpirat belohnt das Schreiben von Diaries mit Fatepunkten bei Fate.

Und vieles,  was ihr Barbiespielen nennt, gehört für mich zum RPG dazu, weil ich Rollenspiel nicht für für Abenteuer und Plot spiele, sondern weil ich in die Welt eintauchen will. Da gehört halt auch Tavernenspiel und Soapen dazu.

Alles natürlich in Maßen, aber alles ist Bestandteil meines normalen Rollenspieles.

Und wie hjeißt das, wenn wir alle gemeinsam unser SF-Universum bauen ?
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Offline Der Narr

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #29 am: 18.09.2012 | 09:08 »
Ich glaube, das Tagebuch hat mit der Motivation zu tun. Außerdem sind die meisten Runden-Tagebücher ja Out-Game-Tagebücher. Für unsere Runde war das z.B. immer etwas rein funktionelles, das überhaupt nichts mit dem eigenen Charakter zu tun hatte und dann auch oft abwechselnd gemacht wurde. Das Auswürfeln von Sektoren in Traveller wurde ja auch als Solitär-Spiel und nicht als Barbiespiel bezeichnet, insofern würde das Weltenerschaffen auch nicht darunter fallen. Aber naja, eigentlich lieferst du das Stichwort: Das Barbiespiel findet ja nicht "in Maßen" statt. Und das merkt man, wenn man Barbiespieler in der Spielrunde hat. Gut, aus der Sicht der Barbiespieler mag das Spielverhalten der anderen ja reduziert oder verkümmert sein, aber offenbar gibt es mehr Nicht-Barbiespieler als Barbiespieler, ansonsten hätten wir im Tanelorn ja nicht das Barbiespiel als exotisch wahrgenommen. Aber dazu müsste man wohl auch mal eine Umfrage machen: Bist du Barbiespieler?

Kann Barbiespiel zu einem Ärgernis für die anderen Spielteilnehmer werden?
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Offline Jiba

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #30 am: 18.09.2012 | 09:17 »
@ Xemides: Wie ich bereits sagte: Meiner Ansicht nach ist alles, was in einer konkreten Spielsituation stattfindet, explizit kein Barbiespiel, denn das zeichnet sich dadurch aus, außerhalb der Spielsituation stattzufinden. Bei Rundentagebüchern haben wir in der Tat einen Grenzfall, den ich aber so sehen würde: Wenn das Rundentagebuch quasi als eigene Vergegenwärtigung des Charakters aus dessen Sicht geschrieben wird, zum reinen Privatvergnügen und ohne eine weitere Relevanz am Spieltisch, ist es Barbiespiel. Wird es aber vorgetragen oder von den anderen Spielern regelmäßig gelesen und damit Teil des gemeinsamen Vorstellungsraumes, ist es kein Barbiespiel. Wichtig ist dabei auch, das Barbiespiel stets charakterbezogen ist.
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Offline gunware

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #31 am: 18.09.2012 | 09:23 »
Kann Barbiespiel zu einem Ärgernis für die anderen Spielteilnehmer werden?
Das Barbiespiel eigentlich weniger.
Wo es zu Problemen kommen kann, wäre bei einer Gruppe, die auf Leistung trimmt, aber der Barbiespieler steigert nach Erlebten und nicht danach, was gebraucht wird. Oder wenn der Barbiespieler ohne Rücksicht auf Verluste seine Vorstellung in der Gruppe durchdrücken möchte - aber das ist dann weniger Problem mit Barbiespiel sondern mit dem Spieler.
Sonst fällt mir jetzt nicht ein, wo es noch Reibungspunkte geben könnte.
Mir kommen Barbiespieler ziemlich handzahm vor. Eben weil sie sich den "Kick" nicht nur in der Runde sondern auch außerhalb holen können, sind sie nicht so versessen darauf, ihr Screentime in die Länge zu ziehen und sind eher bereit auch anderen den Vortritt lassen. (Aber das ist nur meine persönliche Einschätzung, die total falsch sein kann.)
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Offline Teylen

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #32 am: 18.09.2012 | 09:27 »
Für mich ist Barbiespiel wenn der Charakter wie eine Barbiepuppe behandelt wird.
Innerhalb sowie außerhalb des Spiels.
Innerhalb des Spiel heißt das m.E. mitnichten das der Spieler mit seiner Barbiepuppe nur unwichtige Dinge tut.
Immerhin spielt man auch mit normalen Barbiepuppen nicht nur allein, soweit ich das verstand.


Imho kann es durchaus innerhalb der Rollenspielrunde zu Konflikten mit Barbiespielern kommen.
Gerade dann wenn der Eindruck entsteht das die Barbie (gar absichtlich) misshandelt wird oder der Eindruck gewonnen wird das dort ein irreversibles Fremd-Styling vorgenommen wird.
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Offline Xemides

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #33 am: 18.09.2012 | 09:27 »
Ich glaube, das Tagebuch hat mit der Motivation zu tun. Außerdem sind die meisten Runden-Tagebücher ja Out-Game-Tagebücher. Für unsere Runde war das z.B. immer etwas rein funktionelles, das überhaupt nichts mit dem eigenen Charakter zu tun hatte und dann auch oft abwechselnd gemacht wurde.

Nunja, unsere Dresden Files Diaries sind durchaus ingame zu sehen, sie sind ja aus Sicht der SCs geschrieben (wie man hier nachlesen kann). Und bei Earthdawn sind sie auch in character geschrieben, sonst macht ja auch die Belohnung keinen Sinn.

Aber Jibas Interpretation kann ich dann so akzeptieren.
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Offline Praion

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #34 am: 18.09.2012 | 09:32 »
Das Barbiespiel eigentlich weniger.
Wo es zu Problemen kommen kann, wäre bei einer Gruppe, die auf Leistung trimmt, aber der Barbiespieler steigert nach Erlebten und nicht danach, was gebraucht wird. Oder wenn der Barbiespieler ohne Rücksicht auf Verluste seine Vorstellung in der Gruppe durchdrücken möchte - aber das ist dann weniger Problem mit Barbiespiel sondern mit dem Spieler.
Sonst fällt mir jetzt nicht ein, wo es noch Reibungspunkte geben könnte.
Mir kommen Barbiespieler ziemlich handzahm vor. Eben weil sie sich den "Kick" nicht nur in der Runde sondern auch außerhalb holen können, sind sie nicht so versessen darauf, ihr Screentime in die Länge zu ziehen und sind eher bereit auch anderen den Vortritt lassen. (Aber das ist nur meine persönliche Einschätzung, die total falsch sein kann.)

Das Problem kommt direkt auf, wenn Abenteuer, SL oder Mitspieler ihm "die Barbie kaputt machen". Sprich wenn es zu Konflikten oder harten Entscheidungen kommt die den Charakter grundlegend verändern.
Ich denke Barbiespieler haben einen recht genauen CharakterArc im Kopf und wollen den mit oder ohne Hilfe der anderen Durchprügeln. Die Fähigkeit ihn mit sowas herauszufordern ist dadurch also schwerlich gegeben.
Gleichzeitig KÖNNEN solche Charaktere schon vor Spielbeginn "fertig" sein, sprich ihr ganzer Arc hat eigentlich schon stattgefunden, Spiel vor dem Spiel eben.
Dann kann der Barbiespieler noch sachen für sich festlegen, die mit dem gespielten Genre/System/Möglichkeiten gerade egientlich nicht möglich sind. Sachen die nicht direkt am Spieltisch oder zumindest mit Absprache mit dem SL passieren sind eben nicht InGame passiert egal was der Barbiespieler behauptet.
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Offline Crimson King

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #35 am: 18.09.2012 | 09:35 »
Aus meiner Sicht ist Barbiespiel das Konzept, das Leben des Charakters zu simulieren, inklusive auch belangloser Details. Dabei muss ganz sicher nicht jedes Detail immer ausgespielt werden, aber dass der Charakter z.B. keinen gegrillten Fisch mag, ist für den Barbiespieler im Gegensatz zu anderen Spielern von grundsätzlicher Relevanz, und nicht nur dann, wenn man von einem wichtigen NSC zum Essen eingeladen wird.

Beim Barbiespieler ist die Identifikation mit dem Charakter dabei sehr groß. Dementsprechend mag es der Spieler nicht, den Charakter in große Gefahren zu bringen.

Wie 1of3 sagt, ist der Barbiespieler in vollem Umfang Method Actor, es geht ihm um nichts als um das Ausdefinieren und Ausspielen des eigenen Charakters. Das Abenteuer ist dabei im Normalfall vollkommen nebensächlich.

Hintergrundgeschichten, Bilder, Diaries aus Charaktersicht sind dabei Hilfsmittel, um dem Erlebten dauerhaft Substanz zu verleihen. Sie sind nicht zwingend notwendig.

Optimierung wird betrieben, aber nicht in Hinblick auf maximale Effizienz, sondern auf maximale Plausibilität, gemessen am Erlebten. Es wird gesteigert, was der Charakter getan hat, ggf. mit Unterricht außerhalb der Spielsitzungen. Es spielt keine Rolle, ob das dem Charakter hilft, um Probleme zu lösen.

Aus diesen Gründen ist der Barbiespieler im Grunde ein Anti-Drama-Spieler. Drama ergibt sich aus der Androhung von Verlust und aus der Konfrontation mit Spielelementen, die das Wertebild des Charakters angreifen. Beides ist für den Barbiespieler unerwünscht, außer ggf. in Situationen, in denen der Spieler die Kontrolle darüber hat. Er will quasi selbst entscheiden, ob dem Charakter etwas dramatisches passiert, das ihn möglicherweise verändert.

Der Barbiespieler ist auch ein Anti-Problemlöser, da er Probleme im Allgemeinen eher zu vermeiden versucht, um das Risiko für seinen Charakter zu vermindern.
« Letzte Änderung: 18.09.2012 | 09:41 von Crimson King »
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Offline gunware

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #36 am: 18.09.2012 | 09:40 »
Das Problem kommt direkt auf, wenn Abenteuer, SL oder Mitspieler ihm "die Barbie kaputt machen". Sprich wenn es zu Konflikten oder harten Entscheidungen kommt die den Charakter grundlegend verändern.
...
Gleichzeitig KÖNNEN solche Charaktere schon vor Spielbeginn "fertig" sein, sprich ihr ganzer Arc hat eigentlich schon stattgefunden, Spiel vor dem Spiel eben.
Hm, ich würde die Barbiespieler eher daran erkennen, dass deren Chara nie fertig ist. Eine feste Vorstellung ist in meinem Verständnis des Barbiespiels eigentlich genau das Gegenteil. Weil der Barbiespieler eben versucht, das "Erlebte innerhalb der Gruppe" außerhalb zu verarbeiten und die Barbie daran anzupassen. Deswegen ist es mit dem "Barbie kaputt machen" meiner Meinung nach ziemlich schwierig. (Außer man tötet den Chara, klar.) Aber die Herausforderung des Barbiespielens ist doch eben die Anpassung an das "echte" Spiel.

EDIT: Und auch das, was Crimson King sagt.
« Letzte Änderung: 18.09.2012 | 09:42 von gunware »
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Offline Der Narr

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #37 am: 18.09.2012 | 09:41 »
Ich habe eine Weile an einer BattleTech-Söldnerkampagne teilgenommen. Zwischen den Missionen mussten wir unsere Mechs reparieren oder aufrüsten (Wirtschaftsteil) und haben unsere Piloten mit Beschreibungen vorgestellt, Hintergrund zu den Söldnerkompanien erfunden und auch Forenrollenspiel gemacht (Freeform). Am Spieltisch haben wir konsequent BattleTech gespielt, inkl. Runterschubsen von Mechs von der Karte, um sie aus dem Spiel zu nehmen und haben uns auch nicht mit Pilotennamen oder so angeredet, das war knallhartes Tabletop. Haben wir Barbiespiel betrieben?

Aus meiner Sicht ist Barbiespiel das Konzept, das Leben des Charakters zu simulieren, inklusive auch belangloser Details. Dabei muss ganz sicher nicht jedes Detail immer ausgespielt werden, aber dass der Charakter z.B. keinen gegrillten Fisch mag, ist für den Barbiespieler im Gegensatz zu anderen Spielern von grundsätzlicher Relevanz, und nicht nur dann, wenn man von einem wichtigen NSC zum Essen eingeladen wird.

Beim Barbiespieler ist die Identifikation mit dem Charakter dabei sehr groß. Dementsprechend mag es der Spieler nicht, den Charakter in große Gefahren zu bringen.

Wie 1of3 sagt, ist der Barbiespieler in vollem Umfang Method Actor, es geht ihm um nichts als um das Ausdefinieren und Ausspielen des eigenen Charakters. Das Abenteuer ist dabei im Normalfall vollkommen nebensächlich.

Hintergrundgeschichten, Bilder, Diaries aus Charaktersicht sind dabei Hilfsmittel, um dem Erlebten dauerhaft Substanz zu verleihen. Sie sind nicht zwingend notwendig.

Optimierung wird betrieben, aber nicht in Hinblick auf maximale Effizienz, sondern auf maximale Plausibilität, gemessen am Erlebten. Es wird gesteigert, was der Charakter getan hat, ggf. mit Unterricht außerhalb der Spielsitzungen. Es spielt keine Rolle, ob das dem Charakter hilft, um Probleme zu lösen.

Aus diesen Gründen ist der Barbiespieler im Grunde ein Anti-Drama-Spieler. Drama ergibt sich aus der Androhung von Verlust und aus der Konfrontation mit Spielelementen, die das Wertebild des Charakters angreifen. Beides ist für den Barbiespieler unerwünscht, außer ggf. in Situationen, in denen der Spieler die Kontrolle darüber hat. Er will quasi selbst entscheiden, ob dem Charakter etwas dramatisches passiert, das ihn möglicherweise verändert.

Der Barbiespieler ist auch ein Anti-Problemlöser, da er Probleme im Allgemeinen eher zu vermeiden versucht, um das Risiko für seinen Charakter zu vermindern.
+1. Genau so sehe ich das auch. Und darum sind Barbiespieler für mich auch ein Ärgernis (und nichts, was ich belächle), weil diese Spielweise meiner entgegensteht. Ich habe die Erfahrung gemacht, Barbiespieler mit Samthandschuhen anfassen zu müssen oder dass sie sich interessanten Herausforderungen entziehen, meist sind das auch die ersten, die überhaupt keinen Bock haben, was mit den anderen Spielerfiguren in der Spielwelt anzustellen und die sehr ich-zentriert agieren. Umgekehrt bin ich natürlich für den Barbiespieler ein Ärgernis! Das ist klar.
« Letzte Änderung: 18.09.2012 | 09:48 von Der Narr »
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Offline Nocturama

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #38 am: 18.09.2012 | 09:49 »
Meiner Meinung nach nein, weil ihr auch außerhalb des Tisches gemeinsam gespielt habt und das Relevanz für das spätere Spiel hatte. Wenn du dir ganz alleine zu Hause einen Grundriss des Elternhauses deines Charakters gemalt, die erste Freundin des Charakters ausgearbeitet oder seine früheren Missionen festgelegt hast, ohne das Ziel, dass die am Spieltisch vorkommen, dann ist das meiner Meinung nach Barbiespiel.

Das sehe ich als grundlegende Definition davon: Dass man sich Elemente für seinen Charakter ausdenkt, die aber nicht primär auf den Spieltisch abzielen. Sie können auch mal am Spieltisch auftauchen, sind aber nicht zwangsläufig dafür gedacht.
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Offline Blizzard

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #39 am: 18.09.2012 | 09:56 »
Fällt das nicht unter "Hartwursten"?
Für mich nicht. "Hartwursten" heisst für mich, dass ich mich im Rollenspiel mit absolut unnötigem überflüssigen Mikromanagment rumplagen muss.

Aber
Shopping, feilschen, Tavernengeplänkel, Connection-Smalltalk, Sightseeing, ...
ist für mich, wenn man es negativ auslegen will, plotloses oder dezentrales Rollenspiel. Aber eigentlich gehört für mich so Rollenspiel abseits vom Plot zum Rollenspiel dazu-irgendwie.
"Wir leben nach den Regeln, wir sterben nach den Regeln!"

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Offline Daniel

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #40 am: 18.09.2012 | 09:56 »
Ich finde, das Konzept des Barbiespiels, wie es im Tanelorn entstanden ist, zeigt gewisse Parallelen zu dem des "Doll Housing", wie es im Story-Games-Forum diskutiert wurde:

http://story-games.com/forums/discussion/16804

Hier wird auch auf den pathologischen Fall eingegangen, wo das Doll Housing negative Konsequenzen im Spiel hat, weil der Spieler bereits eine zu starre Vorstellung davon hat, was seinem Charakter passieren soll/darf und was nicht.


Offline gunware

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #41 am: 18.09.2012 | 10:00 »
Beim Barbiespieler ist die Identifikation mit dem Charakter dabei sehr groß. Dementsprechend mag es der Spieler nicht, den Charakter in große Gefahren zu bringen.
...
Der Barbiespieler ist auch ein Anti-Problemlöser, da er Probleme im Allgemeinen eher zu vermeiden versucht, um das Risiko für seinen Charakter zu vermindern.
So wie ich Dir oben grundsätzlich zugestimmt habe, sind es diese zwei Punkte, in denen Du meiner Meinung nach irrst. Es kann so sein, aber es kann auch total andersherum sein. Das kommt nämlich an den Chara an, der von dem Barbiespieler gespielt wird. Wenn es ein Haudrauf und Problemlöser ist, dann versucht der Barbiespieler seinen Chara in eben solche Situationen zu manövrieren, damit er sein Bedürfnis nach der Simulation und Plausibilität befriedigt.
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Offline Laivindil

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #42 am: 18.09.2012 | 10:12 »
So wie ich Dir oben grundsätzlich zugestimmt habe, sind es diese zwei Punkte, in denen Du meiner Meinung nach irrst.
Ich war gerade dabei, Ähnliches zu schreiben. Wenn es zum Char gehört, ein Risiko einzugehen, wird der Char es tun. Plausibilität ist sehr wichtig!

Offline Bordfunker

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #44 am: 18.09.2012 | 10:35 »
Shopping, feilschen, Tavernengeplänkel, Connection-Smalltalk, Sightseeing, ...
Des ist nu nach lager Diskussion als Hartwurst bekannt...
Dachte ich?!
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Offline גליטצער

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #45 am: 18.09.2012 | 11:39 »
Des ist nu nach lager Diskussion als Hartwurst bekannt...
Dachte ich?!
Sag ich doch, da drüben. OK vielleicht nicht ebonders Deutlich, aber alles was die im Endeffekt sagen ist "Hartwurt" in Bezug auf Charakterausstattung. Und beide Begriffe empfinde ich als beleidigend.

Warum eigentlich zwei Threads? Ist es in letzter Zeit erforderlich mit jedem Thema das Forum gleich 2/3mal zuzuSPAMen? Oder ist das eine Maßnahme gegen den drohenden Verfall des Forums durch Abwanderung von Mitgliedern?
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Offline 1of3

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #46 am: 18.09.2012 | 11:43 »
Weil ich erst mal wissen wollte, was das ist. Als sich herausstellte, dass unterschiedliche Ansätze vorhanden waren, habe ich eine Umfrage eröffnet.

Offline Crimson King

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #47 am: 18.09.2012 | 14:08 »
Tavernengeplänkel, Connection-Smalltalk und Sightseeing würde ich jetzt nicht unbedingt unter Hartwurst laufen lassen. Das ist stark fluff-orientiertes Spiel (Character und Color-SIM), und damit nicht notwendigerweise überflüssig und für Barbiespieler oft interessant.
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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #48 am: 18.09.2012 | 16:21 »
Warum postet nicht einfach mal jemand das Tanelorn-Fremdwörterbuch? Dann kann jeder solche Themen einfach und unkompliziert nachschlagen.

Offline Teylen

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Re: Was ist Barbiespiel?
« Antwort #49 am: 18.09.2012 | 16:22 »
Weil es dann ne erweiterte Keilerei drum geben wuerde welche Definition nun die wahrlich richtige ist?
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