SETI gestern als drittes (und letztes) großes Spiel bei einem 16 Stunden Boardgaming-Day

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Ich fand es geradezu bizarr, wie sich das auf mich zunächst hieroglyphisch wirkende Spiel so ab der zweiten bis dritten Runde ganz langsam in meinem Gehirn zu einem irgendwie lesbaren Etwas fortentwickelt hat. Am Anfang habe ich schlicht gar nichts geblickt und konnte auch mit diesem überbordend vollgekritzelten Brett nichts anfangen. Am krassesten waren diese Tech-Tree-Stapel. Ich bin wirklich sehr lange und sehr konzentriert davorgesessen und habe wirklich überhaupt nicht verstanden, was die Symbolhäufen bedeuten sollen und wie sie sich wo zuordnen (Auflösung: es sind Verbesserungs-Effekte / Erstkauf-Prämie / Kaufprämie. Ich schreibe das hier nur deshalb hin, um es innerlich noch ein wenig mehr verarbeiten zu können.).
Meine Einschätzung lautet wie folgt, ich beginne mit dem Positiven:
- Das Spiel ist cool. Das Thema ist stark, es ist ein Hingucker, es ist interessant.
- "Enginebuilder plus" sind klasse. Das funktioniert einfach bewährt gut, da hat jeder Spaß daran.
- Die Optionsvielfalt und Kombinatorik ist krass. Da ist schon echt richtig viel Freiraum, das ist super.
- Wir hatten gleich so ein scary cthulhoides Alien, das eigentlich nur aus drei Beobachtungsspiegeln bestand, die jemand um die Erde herum aufgestellt hat. Das war thematisch sehr überraschend für mich, das hat mir außerordentlich gut gefallen.
Negativ:
- Du musst eine Spielrunde, schlimmer noch: einen Spielerpool, für SETI meiner Meinung nach erst mühsam anlernen. Es ist fraglich, ob es den Aufwand wert ist. Die Auf-den-Tisch-Bringbarkeit von SETI ist niedrig. Das ist heutzutage eigentlich nicht mehr okay.
- Das Spiel hat schon auch downtime. War für mich nicht so schlimm, weil ich ultra viel nachzudenken und zu erschließen hatte, aber ich ahne, dass das schlimmer wird, je besser man sich auskennt.
- Die vielen Karten, die alle spannend sind und viele Handlungsmöglichkeiten anbieten, wirken auf mich sehr stark nach 'nasse Nudeln an die Wand werfen'. Sehr random, sehr beliebig, sehr glücksbasiert. Das passt nicht zu einem Engine-Builder.
- Ich spiele per se nur mit flott spielenden Spielern, wir sind also zügig durchgekommen, dennoch ist die Spielzeit mMn erheblich. Ich bezweifle, dass man SETI unter der Woche abends mal schnell spielen kann.
Am Negativsten (und für mich eigentlich ein K.O. Kriterium):
Der wirklich beschissene
point salad, dieses saudumme
Siegpunkte-Grind-Minispiel, die damit verbundene Geheimwissenschaft des Wo-gibts-die-meisten-Punkte? und dann noch so grausige Sachen wie Sonder-Endwertungstableaus für bizarre Kombinationen oder sowas.
Für mich macht das ein Spiel kaputt. Ich will Aliens erkunden, wegen mir bekämpfen, die Erde retten oder was auch immer. Aber am Ende dann ein 172 zu 151 zu 149 zu 122 festzustellen, das gibt mir einfach gar nichts. Es ist so fremd und verkehrt. Ich hätte gestern irgendwie beinahe sogar fast noch gewonnen, und das als (ziemlich betrunkener) Erstspieler, das kanns nicht sein und das ist doch total unwitzig.
Ich werde SETI gerne noch einmal oder zweimal spielen, aber das wird für mich kein Dauerbrenner.
(Ich könnte nun noch sehr viel darüber reden, wie man so ein Spiel neuen Spielern idealerweise erklären müsste (nämlich: WAS machen wir hier überhaupt? WAS ist wichtig? WIE erreichen wir es? Dann muss ein erster exemplarischer Zug gespielt werden.), aber ich schenke es mir. Man kann kein hinreichend komplexes Spiel erklären, indem man zuerst alle Regeln laut in den Raum hinein sagt. Das funktioniert einfach nicht und es kann auch den Abend zerstören. Ich hatte vorbereitend ein Regelvideo geschaut und mein Kumpel, der Knallvogel, der dieses Spiel liebt, wollte uns die Erstpartie freilich gleich mit einer Erweiterung reindrücken.

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