Autor Thema: Spielbericht - Was wurde vor kurzem gespielt.  (Gelesen 314752 mal)

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Offline Sir Mythos

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Re: Spielbericht - Was wurde vor kurzem gespielt.
« Antwort #2375 am: 14.09.2026 | 14:23 »
Fantastic realms - Sehr schönes Ding, ebenfalls sehr flott. Wir haben es lange total falsch gespielt  ~;D, wenn man es hingegen regelkorrekt spielt, ist es rund und spaßig. Es gibt eine Punkteberechnungsapp, "Score Realms", die macht es nochmal zugänglicher und flotter.

Was habt ihr denn falsch gespielt? Nur so als Neugier - nicht das ich die Regeln auch falsch verstanden habe.
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Online Crimson King

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Re: Spielbericht - Was wurde vor kurzem gespielt.
« Antwort #2376 am: 14.09.2026 | 14:45 »
Was kann man denn bei dem Spiel falsch machen?
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
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J.W. von Goethe

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Re: Spielbericht - Was wurde vor kurzem gespielt.
« Antwort #2377 am: 14.09.2026 | 17:40 »
Was kann man denn bei dem Spiel falsch machen?

Sehr berechtigte Frage.  ~;D

Ne, es liegt daran, dass ich doof bin. Ich hatte das Spiel vor langer Zeit schon einmal gespielt und die Regeln falsch im Kopf (oder sie vielleicht falsch erklärt bekommen, das ist mein mentaler Rettungsanker), habe aber natürlich nicht noch einmal nachgelesen. Wir haben keinen anwachsenden "Kartentauschpool" zwischen den Spielern gebildet, sondern einen Ablage- und Nachzugsstapel. Was mega dumm ist.  ~;D Aber no hate pls, meine Frau hat mich schon ausreichend ausgelacht dafür.

Ich habe derweil Brass Birmingham gespielt.

Ich ahnte schon, es ist nix für mich, aber in jedem Ranking ist es immer in olympischen Höhen, also musste ich dem Spiel eine Chance geben. Kurzfazit: Ich verstehe schon, dass es ein "vernünftiges und solides" Spiel ist, in das man sich reinknien kann. Es ist herausfordernd und hat originelle, bzw. intelligente Spielmechanismen. Es ist auch schon recht alt, da mag man noch etwas großzügiger auf alle Macken blicken, wenn man möchte.

Für mich hat sich aber bewahrheitet:
- Brass Birmingham ist komplett humorbefreit. Du spielst drei Stunden lang, und unter Garantie lacht oder lächelt währenddessen niemand. Jeder spielt verbissen grübelnd vor sich hin.
- Es ist punishing, dass alles zu spät ist. ("Ach, du willst in Ipswitch etwas bauen? Ja, aber da fehlt dir leider die Ipswitch-Karte auf der Hand, sorry. Dann willst du stattdessen lieber in Farhampton etwas bauen? Oh je, oh je, kein Anschluss zum Kohlemarkt. Okay, dann bau halt einfach erst einmal eine Eisenmine? Tz tz tz, aber du hast ja bereits schon ein Gebäude in Fiddely-Dingdong-Town, dann geht das natürlich nicht." Usw. usf. ... meine Fresse!)
- Das Artwork ist sau hässlich, und da lasse ich mir auch nix erzählen.
- Eigentlich ist es ein flottes Spiel, da will ich nicht meckern. Die Züge spielt man im Prinzip schnell runter. Aber man ist halt gnadenlos in der Hand der EINEN Trantüte am Tisch, bzw. des EINEN Superstrategen, der alle 1000 Möglichkeiten durchdenken will, und dann kann man auch parallel mit den anderen Kniffel spielen, bis man wieder dran ist. Da das Spiel Grübeleien forciert, muss ich ihm dieses erhebliche Manko auch leider ankreiden.

Am gravierendsten wiegen für mich die folgenden Punkte:
- Undurchsichtige Siegpunkte-Suppe: warum gibt die erste Töpferei 10 Siegpunkte und die zweite nur einen Siegpunkt und die dritte wieder 10 (oder so)? Am Ende gewinnt irgendwer mit 171 zu 152 zu 146 Punkten. Warum auch immer. Danke, nein. Das ist mir zu dumm. Leb wohl, liebes Spiel!
- Das Spiel wirkt erst einmal wie voll der coole Engine-Builder. Es ist aber ein Spiel, bei dem es im Kern nur um Timing geht und wo man eigentlich, wenn man ehrlich ist, praktisch gar nicht sonderlich viel "aufbaut". Ich will aber bei einem Spiel um Frühindustrialisierung und Kapitalismus definitiv etwas aufbauen. Wir haben hier eine Art Andor-Effekt: Andor wirkt auf geradezu überwältigende Weise wie ein fetziger Abenteuer-Kracher. Andor ist aber ein zäher Grundrechenarten-Bullshit-Uhrwerk-Timing-Grind. Ich fühle mich durch solche Diskrepanzen, die sich aus der erweckten Erwartungshaltung und dem tatsächlichen Spielerlebnis ergeben, nicht abgeholt. Tut mir leid.

Ansonsten gilt alles, was der Tom Vasel von Dice Tower sagt, das deckt sich stark mit meiner Einschätzung. 
« Letzte Änderung: 14.09.2026 | 17:52 von Megavolt »

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Re: Spielbericht - Was wurde vor kurzem gespielt.
« Antwort #2378 am: 14.09.2026 | 18:35 »
Ich merke bei Eurogames immer wieder, dass ich auch da das Thema nicht ignorieren kann. Ich hab ne ganze Reihe von Euros in der Gewichtsklasse Mittel- bis Halbschwergewicht, die ich sehr gerne spiele, aber die haben eigentlich alle Fantasy-, SciFi- oder Abenteuerthemen. So ein klassisches Manchester-Kapitalismus-Spiel (jaja, ist Birmingham, nicht Manchester, ich weiß) ist dann doch eher nix für mich.
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
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J.W. von Goethe

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Re: Spielbericht - Was wurde vor kurzem gespielt.
« Antwort #2379 am: 14.09.2026 | 19:08 »
Es gibt sogar ein sehr altes Manchester-Kapitalismus-Spiel, dass ich jederzeit Brass vorziehen würde. Nämlich 1830 Railways & Robberbarons, aber mit Originalregeln. Nicht die verweichlichte neue Regelfassung. Das spielt allerdings an der Ostküste der USA. Allerdings brauch man dafür eine gehörige Frust- und Rechentoleranz, weil Du mit Mitspielern, die das Spiel kennen, elendig zerstört wirst (Halt passend zum Manchester Kapitalismus. Spielende ist, wenn der erste Spieler bankrott geht. Go figure).
No Pun Included hatte da mal ein sehr gutes Video dazu gemacht.
(1889 soll ein besserer Einstieg sein, als 1830, aber das habe ich selber noch nicht gespielt und kann dazu nichts sagen. Das Spiel kann man aktuell über den The Old Prince-Kickstarter bestellen.)
« Letzte Änderung: 14.09.2026 | 20:14 von 6 »
Ich bin viel lieber suess als ich kein Esel sein will...
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Nicht Sieg sollte der Zweck der Diskussion sein, sondern
Gewinn.

Joseph Joubert (1754 - 1824), französischer Moralist