Ich bevorzuge Rollenspielsettings, die auf bekannten Vorlagen aus Buch/Film/etc. basieren, aus folgenden Gründen:
- Es ist oft leichter, Mitspieler für ein solches Spiel zu finden, da der Name der IP allein bei vielen schon Interesse weckt.
- Das Setting ist meist allen (potenziellen) Mitspielern bekannt, so dass man weiß, worauf man sich einlässt und ob einem die Welt gefällt.
- Man muss sich nicht erst groß einlesen oder die Welt erklärt bekommen, was besonders bei Oneshots ein großer Vorteil ist.
- Das Wissen um die Welt ist dadurch zudem bei vielen Mitspielern größer, so dass sich leichter ein gemeinsamer Vorstellungsraum erzeugen lässt.
- Es gibt oft Material abseits von Rollenspielbüchern, so dass man bei Kampagnen- und Abenteuergestaltung aus einem größeren Fundus schöpfen kann.
- Bei den besseren IP-Spielen greifen Regelmechaniken i. e. S. und das Setting gut ineinander, da es klare Vorgaben bezüglich Genre, Tonalität oder zentraler Themen gibt.
Eigenbau-Rollenspiele, die einzelne in eine Gruppe einbringen, sehe ich generell skeptisch. Meiner Erfahrung nach sind sehr wenige Personen in der Lage, ein Setting zu erschaffen, welches ich persönlich dann auch tatsächlich interessanter als (oder zumindest ebenso gut wie) eine etablierte Vorlage finde. Und selbst wenn dies der Fall ist, wird das dann oftmals ja nicht verschriftlicht, so dass es schwieriger ist, als Gruppe da auf einen Nenner zu kommen - es sei denn, man bedient sich großzügig bei bekannten Tropes und Genrekonventionen, aber wenn ich das mache, ist es mit der Originalität m. E. nicht mehr weit her und das Spiel langweilt mich schnell.
Was reizvoll sein kann, ist das gemeinsame (und gleichberechtigte) Erstellen der Spielwelt durch eine Gruppe, wie es z. B. bei Fate als Standard angenommen wird. Das lenkt den Spielfokus aber erfahrungsgemäß schon deutlich vom charakter- oder abenteuerzentrierten Spiel auf den Weltenbau, was ich nicht immer haben mag und für Oneshots aus zeitlichen Gründen oftmals unpraktisch ist. Außerdem macht Weltenbau im Rollenspiel nicht allen gleichermaßen Spaß.