Autor Thema: Wie haltet Ihr es mit der Spielbarkeit von Nichtmenschen?  (Gelesen 776 mal)

Raven Nash, Jiba, AlucartDante (+ 1 Versteckte) und 4 Gäste betrachten dieses Thema.

Offline Luxferre

  • Mythos
  • ********
  • Flim Flam Flunkel - DAS Nutella ist recht dunkel
  • Beiträge: 9.874
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Luxferre
Viele Leute die ich kenne bevorzugen eines der klassischen Völker zu spielen. Menschen, Halbelben, Elben, Zwerge, Hobbits.
Wir haben reichlich Umfragen dazu: hier zum Beispiel
52,7% Menschen
47,3% Andere

Jetzt aber zur Kernfrage des Themas: spielt Ihr Nichtmenschen settinggetreu?

Ich kenne einige Leute, die "minimal" angenervt davon sind, wenn Elben lediglich ihrer Boni wegen gespielt werden und die Geschichte, Lebart und Co keine weitere Rolle ingame spielen.
Und mal ehrlich - in vielen Runden spielt die Langlebigkeit keine Rolle. Sie wirkst sich nicht aufs Charakterspiel aus. Sie ist ein nice-to-have. Ebenso die übermenschlichen Sinne. Tolle Boni, aber das war's.

Mir persönlich reicht das nicht. Und da kommen wir zu meinem Punkt: ein Elb muss auch mit Nachteilen daherkommen.
Jede Stärke sollte auch Blindspots mitbringen. Bisschen wie in der Psychologie von Persönlichkeitstests.

Gute Sinne können situativ auch überfordern.
Langlebigkeit kann zu Passivität führen.
Überlegenheit zu Arroganz.
Sensibilität zu Schwermut.
Körperliche Überlegenheit zu Waghalsigkeit.
Zeit zu haben zu Perfektionismus.
Zeit zu haben zu Langeweile und das wiederum zu hässlichen Auswüchsen.

Welche Rolle spielt das settinggetreue Ausspielen von Nichtmenschen bei Euch?
ina killatēšu bašma kabis šumšu Tišpak
-

"Consider the seed of your generation. You were not born to live like animals, but to pursue virtue and possess knowledge"

Offline nobody@home

  • Steht auf der Nerd-Liste
  • Titan
  • *********
  • Beiträge: 15.908
  • Username: nobody@home
Na ja: was heißt "settinggetreu" überhaupt, und wer genau legt diese Treue fest und beurteilt ihr Vorhandensein oder ihre Abwesenheit? :think:

Ich meine, okay, es mag tatsächlich das eine oder andere Rollenspiel geben, das zu möglichst vielen Völkern seines/seiner Settings eine So-spielt-ihr-die-richtig-Anleitung mit einer gewissen Tiefe bietet. Aber das ist zumindest meiner persönlichen und entsprechend anekdotisch eingefärbten Erfahrung nach eher die Ausnahme...und (spätestens) da, wo es dergleichen nicht gibt, landen wir letztendlich doch wieder bloß beim Zusammenraufen unterschiedlicher Einzelmeinungen am Tisch. ("Atlanter sind natürlich ganz logischerweise allesamt so!" "Spinnst du? Das steht doch nirgends!")

Als Spielleitung würde ich also sagen: wenn ich schon Wert darauf lege, daß Nichtmenschen in meinen Welten auf ganz bestimmte Arten "anders" sein sollen, dann liegt es im Zweifelsfall auch an mir, meinen Spielern zu verklickern, was ich mir eigentlich darunter vorstelle. Und selbst das würde ich wahrscheinlich auf die Wesenszüge beschränken, die ich für wirklich das Volk insgesamt klar mitdefinierend halte; individuelle Eigenheiten finden sich vermutlich selbst bei Alien-Insektenklonen aus derselben Bank früher oder später, und eventuelle schlichte Klischees und Vorurteile über die eigene Spezies sind für den einzelnen Angehörigen derselben ohnehin nicht bindend.

Offline Zouan81

  • Experienced
  • ***
  • Beiträge: 371
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Zouan81
    • rearbo GAMES  -  Meine Projektseite
Also erst einmal zum spielerischen Gleichgewicht:

Elben und Elfen brillieren in ihrer Sinneswahrnehmung und im Bogenschiessen.
Dafür sind sie doch auch zerbrechlicher als Menschen und Zwerge. Ebenfalls gehört auch Stärke nicht zu den besten Attributen.  Wie ich finde, ist das eigentlich schon ausgewogen.

Abseits der Werte sind Elfen und Elben wegen ihres Facettenreichtums schwerer zu spielen als Menschen.

Zur Zeit spiele ich in D&D einen menschlichen Pirat. Einen Piraten könnte ich mir in einer anderen Spezies auch kaum vorstellen.

Habe aber auch im letzten OneShot einen ZwergenKleriker gespielt. Wollte halt keinen reinen HauDrauf sondern etwas ausgewogenes.

Zwerge sind eigentlich ähnlich einfach zu spielen wie Menschen, da Zwerge eigentlich eher einfach gestrickt sind.

Bis jetzt hatte ich allerdings noch nie einen Halbling oder Tiefling oder sonstiges gespielt.
Man muss sich ja auch mit den Gewohnheiten der Spezies auseinander setzen, um sie auch halbwegs authentisch spielen zu können.
Gespielte Regelsysteme:

D&D, DSA, RdW, Saga, Earthdawn


Meine Projektseite:

http://www.rearbo.de

Offline Torsten (Donnerhaus)

  • Adventurer
  • ****
  • Donnerhaus Studio Berlin
  • Beiträge: 703
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Rattazustra
    • Donnerhaus - Blog, Seite und Shop
Ich finde ja, man sollte ALLES so gut es geht entsprechend dem Setting spielen. Menschen oder Nichtmenschen macht da eigentlich keinen Unterschied.

Mich nerven im Fantasy mies gespielte Elben und Zwerge genauso hart ab, wie hervorragend cosmopolit gebildete Demokraten, mit perfektem Verständnis der Naturgesetze und dem Erfindungsreichtum eines Leonardo Davinci.

Offline Yehodan ben Dracon

  • Legend
  • *******
  • Beiträge: 4.009
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Yehodan ben Dracon
Für DSA ist das Thema in den vergangen Jahrzehnten sehr häufig diskutiert worden, da dort die detaillierte Settingbeschreibung kaum Raum für einen Drizzt-Klon bietet. Für diejenigen, die das Setting sehr gut kennen und bestimmte Erwartungshaltung an den Tisch bringen, sind andere Auslegungen der Nichtmenschen einfach Stimmungskiller. Das muss man im Vorgespräch aufklären.

Ich persönlich möchte gerne in das Setting eintauchen und deshalb auch gerne etwas klischeehaft die dort vertretenen Nichtmenschen verkörpern. Insgesamt bin ich aber auch ein Fan der menschenzentrierten Fantasy, damit das Nichtmenschliche noch besonders und erfahrbar bleibt.
Mein Hellfrost Diary

Robin Law´s Game Style: Storyteller 75%, Method Actor 58%, Specialist 58%, Casual Gamer 42%, Tactician 42%, Power Gamer 33%, Butt-Kicker 17%

Offline nobody@home

  • Steht auf der Nerd-Liste
  • Titan
  • *********
  • Beiträge: 15.908
  • Username: nobody@home
Ich finde ja, man sollte ALLES so gut es geht entsprechend dem Setting spielen. Menschen oder Nichtmenschen macht da eigentlich keinen Unterschied.

Auch wieder was dran. "Mensch ist Mensch, das kennen wir alles schon" wird ja schon der Vielfalt der realen Welt nicht gerecht -- angesichts dessen sollte sich also vielleicht die Frage nach der Spielbarkeit von fiktiven Menschen zuallererst stellen, denn für die haben wir wenigstens Vorbilder und können also leicht nachweisen, daß viele Porträts der Spezies im Land der Fiktion ihrerseits bereits unglaubhaft platt und einfallslos daherkommen... :)

Offline Crimson King

  • Hat salzige Nüsse!
  • Titan
  • *********
  • Crimson King
  • Beiträge: 19.421
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Stormbringer
Menschen haben einen enormen Facettenreichtum an Charaktereigenschaften und Kulturen entwickelt. Ich verstehe nie so ganz, warum Elben, Zwerge und Halblinge dann immer auf eine sehr enge Bandbreite von Eigenschaften und kulturellen Aspekten reduziert werden sollen. Man kann sich gerne Gedanken darüber machen, was Langlebigkeit oder gar Unsterblichkeit für kulturelle Auswirkungen haben, und Kultur zahlt natürlich immer auch auf die Persönlichkeit ein. Man sollte aber keine starren Regeln a la "Das würde ein Elb nie machen" aufstellen. "Sind Elben immer arrogant?" läuft in die gleiche Richtung wie "Sind Orks immer böse?". Wenn sich das nicht aus Einflüssen höherer Mächte ergibt, die konkret Völker mit bestimmten Eigenschaften erschaffen, würde ich das strikt verneinen.

Das Problem, das Nichtmenschen vornehmlich aufgrund ihrer Boni gespielt werden, habe ich bei den von mir gespielten Systemen aber auch nicht.
« Letzte Änderung: Gestern um 20:03 von Crimson King »
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried und Friedenszeiten.

J.W. von Goethe

Offline Tudor the Traveller

  • Karnevals-Autist
  • Legend
  • *******
  • (he / him)
  • Beiträge: 6.109
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Tudor the Traveller
Menschen haben einen enormen Facettenreichtum an Charaktereigenschaften und Kulturen entwickelt. Ich verstehe nie so ganz, warum Elben, Zwerge und Halblinge dann immer auf eine sehr enge Bandbreite von Eigenschaften und kulturellen Aspekten reduziert werden sollen.

Das sehe ich ganz genau so. Man kann natürlich für ein Setting setzen, dass der Facettenreichtum typisch für Menschen ist und andere Spezies den halt nicht haben. Aber wenn ein Setting da nur stereotype Abziehbilder macht, finde ich das meh. Es sei denn, wir spielen bewusst Stereotype, das kann auch Spaß machen.

@Frage: ja, Setting ist da schon wichtig. Aber wesentlich ist das, was die Gruppe will.
NOT EVIL - JUST GENIUS

This town isn’t big enough for two supervillains!
Oh, you’re a villain all right, just not a super one!
Yeah? What’s the difference?
PRESENTATION!

Offline Outsider

  • Legend
  • *******
  • Beiträge: 7.230
  • Username: Outsider
Mir ist es meist nicht so wichtig, solange es einigermaßen passt und da gabs kaum derbe Ausreißer in der Vergangenheit. Ähnlich wie bei den anderen Themen, darf man nur das spielen was man verkörpern kann usw.

In den meisten Regelwerken kommen Boni für irgendwelche Völker ja meist mit Nachteilen oder Einschränkungen bei anderen Aspekten daher.

+ Ges, - auf KON, müssen den höchsten Wert auf Attribut X legen, haben weniger Entwicklungspunkte, steigen langsamer auf usw. Alles andere würde ich der Gruppe und den Spielern überlassen. Anders wäre es z.Bsp. mit einem Ehrencodex oder ähnlichen moralischen Schranken welche sich Klassen oder Gruppen auferlegen. Ist sowas genannt ist es auch bindend für den Spieler, oder er erleidet die dann meist schon im Regelwerk genannten negativen Auswirkungen. Mir kommen da so Paladine, Jedi oder Dimwalker aus Trudvang in den Sinn.

Heute beachten Systeme ja meist, dass Vorteile auch irgendwo mit Nachteilen daherkommen.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Offline Doc-Byte

  • Hero
  • *****
  • Been there, run that
  • Beiträge: 1.680
  • Username: Doc-Byte
    • Star Reeves - Das Space Western RPG
Ich denke, man darf Spielercharaktere eh nicht als archetypische Vertreter ihrer Spezies (und Kultur) sehen. Alleine ihrer Lebensführung weicht ja schon massiv vom Alltag ab und geht meistens mit entsprechenden "Charaktereigenheiten" und viel Individualismus einher. Von daher kann man an SCs mMn nach nur bedingt die Maßstäbe für einen gewöhnlichen Vertreter ihres Volks anlegen.

Offline General Kong

  • Legend
  • *******
  • Werd bloß nicht affig!
  • Beiträge: 4.500
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: General Kong
Re: Wie haltet Ihr es mit der Spielbarkeit von Nichtmenschen?
« Antwort #10 am: Gestern um 21:20 »
Abenteurer, egal welcher Ras, sind Ausnahmeerscheinungen. Wenn aber Halbmebschen nur der Boni gespielt werden und man. Praktisch nicht merkt, dass das kein Mensch ist,  dannbist da was falsch ... außer, der Elf/Zwerg/ Gargelfratz weird so gespielt, dass er eben ein Mensch sein will! Dann aber will ich das sehen: "Ich, als MENSCH, entscheide und tu das nun so, weil das ist, was MENSCHEN WIE ICH so tun... "

Eigentlich sind. Die in den meisten Wrlten unspielbar.
Elfen: Extrem langlebig/ unsterblich. Man stelle sich vor, du gehst heute als Soldat auf eine Mission in Syrien mit jemanden, der  1. Und 2. Weltkrieg kämpfte, Naüolen beriet, mit Washington kämpfte, Luthers Thesen in Wittenberg las, gegen Saladin gekämpft hat, Karl den Großen in Aachen besuchte, im 1. Bis. 3. Jahrhundert in Rom wohnte  mit Hanibal die Alpen überquerte, Alexander den Großen für reinen Vollidioten hält, Platon kannte,  .... und beim Bau von Stonehenge mithalten- ca. 1000 Jahre lang immer wieder mal.
Und so jemand würde sich tatsächlich in all diese Abenteuer stürzen, wenn er Probleme nur aussitzen müsste? Glaube ich nicht. Unsterblich und tötbar sein bedeutet Risikominimietung. Also: Elfen tun nur etwas aus Tollkühnheit, wenn ihnen langweilig ist oder wenn die ganze Elfenheit bedroht sein könnte (Weltkriege, Ringfinger Armageddon).
Halblinge: du bist do groß wie ein 6jbähriger. Jau, auf ins Abenteeuer! Nicht.
Zwerge: Werden auch älter als Mensdcheen (meist do. Plus 50 bis 200 Jahre). Sie dind kurz, aber stämmig, kräftig und hauen eine schwere Kelle. Somit etwas träger als Menschen, aber durchaus nicht unwahrscheinlicher Abenteurer.
Gnome: Wahrscheinlicher Abeebteurer als Halblinge, aber weniger häufig als Zwerge.
Tieflinge, Kriegsgeschmiedete, Drachendinngse, Halborks usw.:: Ungefähr wie Menschen.

Ich kann eigentlich ganz gut auf Halbmenscheen verzichten, spiele meistens Menschen und immer in menschentrierteen Kampagnen.
Wann habt ihr zuletzt eine elfen- oder zwegenzentrierte Kampagne gespielt? Meist sind Halbmrnschen bloß "andere Menschen mit Vorteilen und Einschränkungen ".
Ist es ein Vogl?
Ist es ein geflügelter Gorilla?
Ist es eine fliegende fette Banane?
NEIN! ES IST SUPERKONG!

(Könnte aber auch eine fette fliegende Banane sein ...)

Offline Issi

  • Patin der Issi Nostra
  • Titan
  • *********
  • Beiträge: 13.249
  • Username: Issi
Re: Wie haltet Ihr es mit der Spielbarkeit von Nichtmenschen?
« Antwort #11 am: Gestern um 21:42 »
Zwar keine Elben sondern Vampire:
Der Film „Only lovers left alive“ zeigt sehr schön, wie gelangweilt und depressiv Unsterbliche sein könnten.
Fürs Rollenspiel kann ich aber nicht von jedem Spieler erwarten, dass die Darstellerische Leistung ein solches Niveau hat.
Folglich werden junge Unsterbliche gespielt. Nicht viel älter als die Normalo Helden.
Rebellen ihrer Gemeinschaft, gelangweilt von dem fehlenden Spaß, etc.

Apropos:
Gibt es auch nur ne relative Unsterblichkeit.
Also sterben kann auch ein Elb genauso schnell wie Mensch, Zwerg, Halbling whatever. Darum kann sich keine Figur jemals darauf verlassen länger als der Rest zu leben.

Ich schließe mit: Stehen zwei Elben am Grab ihres Sohnes und weinen. Sagt der Vater : „Er war Dreihundertfünfundzwanzig“. Darauf die Mutter:“ Ich hab Dir gleich gesagt, wir bringen ihn nicht durch.“


Offline General Kong

  • Legend
  • *******
  • Werd bloß nicht affig!
  • Beiträge: 4.500
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: General Kong
Re: Wie haltet Ihr es mit der Spielbarkeit von Nichtmenschen?
« Antwort #12 am: Gestern um 21:54 »
Da war wer ja gerade entwöhhnt und im Kindergarten angemeldet... :'(
Ist es ein Vogl?
Ist es ein geflügelter Gorilla?
Ist es eine fliegende fette Banane?
NEIN! ES IST SUPERKONG!

(Könnte aber auch eine fette fliegende Banane sein ...)

Offline nobody@home

  • Steht auf der Nerd-Liste
  • Titan
  • *********
  • Beiträge: 15.908
  • Username: nobody@home
Re: Wie haltet Ihr es mit der Spielbarkeit von Nichtmenschen?
« Antwort #13 am: Gestern um 22:11 »
Halblinge: du bist do groß wie ein 6jbähriger. Jau, auf ins Abenteeuer! Nicht.

Kurz zu dem Punkt: klar, deswegen ziehen ja auch Menschen in Welten, wo es Dinge wie Oger oder Riesen gibt (von Drachen, die so'n Menschenschwert mal eben als Zahnstocher benutzen, ganz zu schweigen), nicht auf Abenteuer aus... ;)

Tatsächlich gibt's den ISO-Standard-Halbling so ja nicht mal bei Opa Tolkien. Bilbo, Frodo, und Sam sind schon recht unterschiedliche Gestalten, Merry und Pippin eventuell mit Abstrichen ebenfalls (ich habe zumindest gelegentliche Schwierigkeiten, mich zu erinnern, wer von den beiden jeweils wer ist, aber sie unterscheiden sich als Paar dann doch noch mal ein Stück von den anderen drei)...und die sind allesamt "nur" dröge-bodenständige Auenland-Hobbits. Wer weiß schon, wie sich eine separate Halblingskultur in einem anderen Teil Ardas womöglich entwickelt hätte, wenn der Professor jemals dazu gekommen wäre.

Offline Haukrinn

  • zurecht gestorben
  • Titan
  • *********
  • Jetzt auch mit Bart!
  • Beiträge: 12.352
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: haukrinn
Re: Wie haltet Ihr es mit der Spielbarkeit von Nichtmenschen?
« Antwort #14 am: Gestern um 22:40 »
Ich find Nichtmenschen total schnarchig. Das ist so ein tolkineskes Überbleibsel auf das ich in den meisten Fällen sehr gut verzichten kann, weil menschliche Kulturen schon mehr als genug Vielfalt bieten.

Bei Swords & Wizardry störts mich zumindest nicht wirklich, weil Nichtmenschen da keine nennenswerte Kultur haben sondern man einfach alles in einen Topf wirft. Bei Shadowrun stört es mich nicht weil's (in der Regel) ja doch wieder Menschen sind und es primär um physische Eigenschaften geht.

Bei allem anderen was versucht da mehr draus zu machen wird's einfach albern.
What were you doing at a volcano? - Action geology!

Most people work long, hard hours at jobs they hate that enable them to buy things they don't need to impress people they don't like.

Offline Galatea

  • Hero
  • *****
  • Beiträge: 1.600
  • Username: Galatea
Re: Wie haltet Ihr es mit der Spielbarkeit von Nichtmenschen?
« Antwort #15 am: Gestern um 22:42 »
Individualitäten von Spezies sollte sich aus ihrer Biologie ergeben.
Kultur, Traditionen und Glauben ergeben sich oft aus Biologie, können aber z.B. auch von anderen Spezies übernommen worden sein.

Bei den typischen EDO-Fantasyspezies hat man das aber oft in der Form garnicht, weil die sich bestenfalls rudimentär von Menschen unterscheiden (biologisch gesehen sind die Unterschiede zwischen Menschen, Zwergen, Halblingen, Tiefligen, Orks und dem ganzen Zoo von Tiermenschen oft geradezu lächerlich gering).

Wenn man will, kann man aber sowohl in Fantasy als auch (ganz besonders) SciFi ganz andere Geschütze auffahren.


Beispiele:

- Für eine Spezies, die sich über Geräusche (Ultraschall, Vibrationen, etc.) orientiert spielt Dunkelheit keine Rolle. Mythen von Schattengestalten oder Horrorgeschichten ala 'nachts allein im Wald' wirds bei denen nicht geben. Die sehen in der Nacht so gut wie am Tag, für die ist die Nacht kein Stück gruselig. Was für sie beängstigend IST, ist Stille. Stille bedeutet den Verlust von Wahrnehmung, es bdeeutet blind und hilflos zu sein.
Ähnliches gilt z.B. für Spezies, die ihr gesamtes Leben als Nomaden auf Raumschiffen verbringen - Stille ist für die ein ganz schlechtes Omen, weil es i.d.R. bedeutet, dass etwas ausgefallen ist, im schlimmsten Fall die Luftverteilung/Lebenserhaltung, d.h. der Verlust von Geräuschen wird als direkte Bedrohung des eigenen Lebens wahrgenommen. Da kann sogar biologische Verankerungen haben, es ist bekannt, dass z.B. Lemuren noch mit Panik auf Greifvögel reagieren, obwohl es seit dreihundert Jahren auf Madagascar keinen Greifvogel mehr gibt, der einen Lemuren schlagen könnte - eine noch extremere Studie mit chinesischen Hirschen zeigte deutliche Raktionen auf das Brüllen von Tigern, obwohl diese im Lebensraum der Hirsche seit über 1000 Jahren ausgestorben sind. Manche Dinge hinterlassen Spuren.

- Für eine Spezies, die ausschließlich unterirdisch lebt, ist die Oberfläche beängstigend. Man ist dort exponiert und schutzlos gegen Angriffe von oben. Klar können sich Individuen an die Oberfläche gewöhnen, aber das wird eine kulturelle Verankerung haben, die schwer abzuschütteln ist (kann sich z.B. äußern indem man (Dunkelsicht vorasugesetzt) nur nachts rausgeht, weil dann die fliegenden Raubtiere/Geister/Dämonen einen nicht so gut sehen können).

- Für Spezies, die andere Fortpflanzungsmethoden haben (freischwimmendes aquatisches Larvenstadium, Sporen die sich mit dem Wind verteilen, etc.) oder die extrem langlebig sind, spielen Geschlechterrollen praktisch keine Rolle. Wenn man Zweitausend Jahre alt wird ist Mutter sein bestenfalls eine temporäre Rolle, keine Lebensaufgabe. Handelt es sich um extreme R-Strategen mit tausenden nonsapienten Larven werden die auch einen ganz anderen Bezug zu ihrem Nachwuchs haben, den vielleicht sogar auf den Speiseplan setzen.

- Spezies, die fliegen können, dürften recht wahrscheinlich eine völlig andere Vorstellung von Territorium haben. Da geht es eher um Punkte von Interesse, weitreichende Handelsnetze und eine regelbasierte Weltordnung als um "male die Weltkarte in meiner Farbe an". Was soll eine fliegende Spezies mit weiten Ländereien, die sie nicht vernünftig nutzen oder verteidigen kann.

- Viele Tiermenschen müssten, wenn man nach dem tierischen Vorbilder geht, katastrophal schlechtes Durchhaltevermögen haben. Ja, Katzen kommen durchaus herum und können beachtliche Strecken zurücklegen, bei der Jagd und im Konflikt sind sie aber Burst-Fighter, die entweder schnell gewinnen oder langsam aber sicher verlieren.
Dieses Denken düfte sich auch kulturell niederschlagen - Menschen sind Ausdauer-Hetzjäger, und kämpfen regelmäßig Abnutzungskriege, bei denen schlicht die Partei gewinnt, die länger durchhält. Bei Spezies wie Katzen, die aus dem Hinterhalt angreifen und wenig Ausdauer haben, dürfte das entweder zu einem Klingonen-/BattletechClaner-Modell führen (Blitzkrieg ftw, Logistik, was ist das?) oder (nach Kontakt mit anderen Spezies) in einer Überkompensation enden, bei der sie viel mehr Logistik und Truppenrotation haben, um ihren Mangel an körperlicher Ausdauer auszugleichen (und evtl. auch politisch/militärisch viel aggressiver agieren, um Probleme zu ersticken bevor sie ausufern oder chronisch werden).



Aber natürlich wollen viele (ganz besonders EDO-Fantasy-)Settings auch, dass sich Spieler schnell einfinden können, ohne seitenweise Regelwerk zu lesen oder sich ihr Hirn allzu sehr verbiegen zu müssen.
Was schade ist, weil da verdammt viel Potential für coole Sachen liegen gelassen wird.
« Letzte Änderung: Gestern um 22:56 von Galatea »
We should respect all forms of consciousness. The body is just a vessel, a mere hull.

Online Jiba

  • OSR-Papst
  • Mythos
  • ********
  • Bringing the J to RPG
  • Beiträge: 11.634
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Jiba
Re: Wie haltet Ihr es mit der Spielbarkeit von Nichtmenschen?
« Antwort #16 am: Gestern um 23:01 »
Individualitäten von Spezies sollte sich aus ihrer Biologie ergeben.
Kultur, Traditionen und Glauben ergeben sich oft aus Biologie, können aber z.B. auch von anderen Spezies übernommen worden sein.

Naja... nein. Das würde ich so aber nicht sagen. Ganz archaische, protokulturelle Eigentümlichkeiten ja. Aber wenn du Jahrhunderte und Jahrtausende Geschichte dazwischen hast, dann ergibt sich Kultur eben auch aus Kultur- und Umwelteinflüssen, die mit der Biologie gar nicht mehr so viel zu tun haben müssen.
Engel – ein neues Kapitel enthüllt sich.

“Es ist wichtig zu beachten, dass es viele verschiedene Arten von Rollenspielern gibt, die unterschiedliche Vorlieben und Perspektiven haben. Es ist wichtig, dass alle Spieler respektvoll miteinander umgehen und dass keine Gruppe von Spielern das Recht hat, andere auszuschließen oder ihnen vorzuschreiben, wie sie spielen sollen.“ – Hofrat Settembrini

Offline Feuersänger

  • Orcjäger
  • Moderator
  • Titan
  • *****
  • Deadly and Absurdly Handsome
  • Beiträge: 36.225
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Feuersänger
Re: Wie haltet Ihr es mit der Spielbarkeit von Nichtmenschen?
« Antwort #17 am: Gestern um 23:13 »
Nur so kurz aus dem Off, aber schon einigermaßen passend zum Thema. Ich fand's lustig:

https://www.instagram.com/reel/DclkZ2khPjT/
Der :T:-Sprachführer: Rollenspieler-Jargon

Zitat von: ErikErikson
Thor lootet nicht.

"I blame WotC for brainwashing us into thinking that +2 damage per attack is acceptable for a fighter, while wizards can get away with stopping time and gating in solars."

Kleine Rechtschreibhilfe: Galerie, Standard, tolerant, "seit bei Zeit", tot/Tod, Stegreif, Rückgrat, die Nutella

Offline Megavolt

  • Zwinker-Märtyrer
  • Legend
  • *******
  • Beiträge: 5.164
  • Username: Megavolt
Re: Wie haltet Ihr es mit der Spielbarkeit von Nichtmenschen?
« Antwort #18 am: Gestern um 23:15 »
Humanity first! Hu ha!

Ich spiele praktisch keine Nichtmenschen, weil mir gerade die Glanzlosigkeit, die Realness, mithin einfach der bloße Kontrast zu den überbordend mit Boni zugeballerten Fremdrassen zusagt. Gegenüber den muskelbepackten Orks, den zaubernden Alben und den ultra schnultra sexy Tieflingen irgendeinen Stich zu machen, das ist eben gerade ein würdiges Unterfangen.

Wenn ich Nichtmenschen spiele, dann spiele ich sie freilich settingtreu.

Online Runenstahl

  • Famous Hero
  • ******
  • Beiträge: 2.546
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Runenstahl
Re: Wie haltet Ihr es mit der Spielbarkeit von Nichtmenschen?
« Antwort #19 am: Gestern um 23:18 »
Elfen: Extrem langlebig/ unsterblich. ...Und so jemand würde sich tatsächlich in all diese Abenteuer stürzen, wenn er Probleme nur aussitzen müsste? Glaube ich nicht. Unsterblich und tötbar sein bedeutet Risikominimietung. Also: Elfen tun nur etwas aus Tollkühnheit, wenn ihnen langweilig ist oder wenn die ganze Elfenheit bedroht sein könnte (Weltkriege, Ringfinger Armageddon).

Jupp, sieht man ja auch bei uns Menschen. Seit die durchschnittliche Lebenserwartung sich mehr als verdoppelt hat haben wir praktisch keine Kriege mehr.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
"Reading is for morons who can't understand pictures"
   Gareth (aus der Serie "Galavant")

Offline Galatea

  • Hero
  • *****
  • Beiträge: 1.600
  • Username: Galatea
Re: Wie haltet Ihr es mit der Spielbarkeit von Nichtmenschen?
« Antwort #20 am: Gestern um 23:20 »
Naja... nein. Das würde ich so aber nicht sagen. Ganz archaische, protokulturelle Eigentümlichkeiten ja. Aber wenn du Jahrhunderte und Jahrtausende Geschichte dazwischen hast, dann ergibt sich Kultur eben auch aus Kultur- und Umwelteinflüssen, die mit der Biologie gar nicht mehr so viel zu tun haben müssen.
Jain. Natürlich kann sich Kultur auch von Biologie weg entwickeln, aber etwas Biologie steckt immer drin.

Muss man sich nur mal uns Menschen als Beispiel anschauen.
Mit was haben die meisten Horrorgeschichten zu tun? Dunkelheit. Wann passieren all die grusligen Sachen? Wann ist der Wald unheimlich? Nachts.
Vampire, Werwölfe, Geister, Mothman, diverse andere bösartige mythische Kreaturen und Cryptids etc. - sind alle bevorzugt in der Dunkelheit unterwegs.

Das ist bis heute so. Kulturübergreifend. Das ist ein Teil Biologie, den wir nicht abschütteln können und der sich immer halten wird.


Eine andere solche Sache betrifft das "uncany valley".
Menschen empfinden nachweislich humanoide Gestalten, die sehr menschlich sind und nur in geringem Maße abweichen am beängstigendsten (da gibt es Studien zu).
Warum das so ist, darüber wird fleißig spekulärt, einer der wahrscheinlichsten Gründe ist, dass andere Hominiden in früheren Zeiten eine echte Gefahr waren. Das ist ungefähr 300.000 Jahre her.
« Letzte Änderung: Gestern um 23:35 von Galatea »
We should respect all forms of consciousness. The body is just a vessel, a mere hull.

Offline Galatea

  • Hero
  • *****
  • Beiträge: 1.600
  • Username: Galatea
Re: Wie haltet Ihr es mit der Spielbarkeit von Nichtmenschen?
« Antwort #21 am: Gestern um 23:25 »
Nur so kurz aus dem Off, aber schon einigermaßen passend zum Thema. Ich fand's lustig:

We should respect all forms of consciousness. The body is just a vessel, a mere hull.

Offline Luxferre

  • Mythos
  • ********
  • Flim Flam Flunkel - DAS Nutella ist recht dunkel
  • Beiträge: 9.874
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Luxferre
Bei allem anderen was versucht da mehr draus zu machen wird's einfach albern.

 8]

Hmm ... "da draußen"TM gibt es ganz sicher viele Leute, die sich Mühe geben mit Nichtmenschen eine farbenfrohe und abwechslungsreiche Welt zu zaubern, die nicht albern ist. Die sich Mühe geben, denen eine Identität zu geben, die Abseits der vielfältigen Normen der Menschen ist.
Aber vielleicht lebe ich diesbezüglich in einer Echokammer der Glückseligkeit  ;D
ina killatēšu bašma kabis šumšu Tišpak
-

"Consider the seed of your generation. You were not born to live like animals, but to pursue virtue and possess knowledge"