Individualitäten von Spezies sollte sich aus ihrer Biologie ergeben.
Kultur, Traditionen und Glauben ergeben sich oft aus Biologie, können aber z.B. auch von anderen Spezies übernommen worden sein.
Bei den typischen EDO-Fantasyspezies hat man das aber oft in der Form garnicht, weil die sich bestenfalls rudimentär von Menschen unterscheiden (biologisch gesehen sind die Unterschiede zwischen Menschen, Zwergen, Halblingen, Tiefligen, Orks und dem ganzen Zoo von Tiermenschen oft geradezu lächerlich gering).
Wenn man will, kann man aber sowohl in Fantasy als auch (ganz besonders) SciFi ganz andere Geschütze auffahren.
Beispiele:
- Für eine Spezies, die sich über Geräusche (Ultraschall, Vibrationen, etc.) orientiert spielt Dunkelheit keine Rolle. Mythen von Schattengestalten oder Horrorgeschichten ala 'nachts allein im Wald' wirds bei denen nicht geben. Die sehen in der Nacht so gut wie am Tag, für die ist die Nacht kein Stück gruselig. Was für sie beängstigend IST, ist Stille. Stille bedeutet den Verlust von Wahrnehmung, es bdeeutet blind und hilflos zu sein.
Ähnliches gilt z.B. für Spezies, die ihr gesamtes Leben als Nomaden auf Raumschiffen verbringen - Stille ist für die ein ganz schlechtes Omen, weil es i.d.R. bedeutet, dass etwas ausgefallen ist, im schlimmsten Fall die Luftverteilung/Lebenserhaltung, d.h. der Verlust von Geräuschen wird als direkte Bedrohung des eigenen Lebens wahrgenommen. Da kann sogar biologische Verankerungen haben, es ist bekannt, dass z.B. Lemuren noch mit Panik auf Greifvögel reagieren, obwohl es seit dreihundert Jahren auf Madagascar keinen Greifvogel mehr gibt, der einen Lemuren schlagen könnte - eine noch extremere Studie mit chinesischen Hirschen zeigte deutliche Raktionen auf das Brüllen von Tigern, obwohl diese im Lebensraum der Hirsche seit über 1000 Jahren ausgestorben sind. Manche Dinge hinterlassen Spuren.
- Für eine Spezies, die ausschließlich unterirdisch lebt, ist die Oberfläche beängstigend. Man ist dort exponiert und schutzlos gegen Angriffe von oben. Klar können sich Individuen an die Oberfläche gewöhnen, aber das wird eine kulturelle Verankerung haben, die schwer abzuschütteln ist (kann sich z.B. äußern indem man (Dunkelsicht vorasugesetzt) nur nachts rausgeht, weil dann die fliegenden Raubtiere/Geister/Dämonen einen nicht so gut sehen können).
- Für Spezies, die andere Fortpflanzungsmethoden haben (freischwimmendes aquatisches Larvenstadium, Sporen die sich mit dem Wind verteilen, etc.) oder die extrem langlebig sind, spielen Geschlechterrollen praktisch keine Rolle. Wenn man Zweitausend Jahre alt wird ist Mutter sein bestenfalls eine temporäre Rolle, keine Lebensaufgabe. Handelt es sich um extreme R-Strategen mit tausenden nonsapienten Larven werden die auch einen ganz anderen Bezug zu ihrem Nachwuchs haben, den vielleicht sogar auf den Speiseplan setzen.
- Spezies, die fliegen können, dürften recht wahrscheinlich eine völlig andere Vorstellung von Territorium haben. Da geht es eher um Punkte von Interesse, weitreichende Handelsnetze und eine regelbasierte Weltordnung als um "male die Weltkarte in meiner Farbe an". Was soll eine fliegende Spezies mit weiten Ländereien, die sie nicht vernünftig nutzen oder verteidigen kann.
- Viele Tiermenschen müssten, wenn man nach dem tierischen Vorbilder geht, katastrophal schlechtes Durchhaltevermögen haben. Ja, Katzen kommen durchaus herum und können beachtliche Strecken zurücklegen, bei der Jagd und im Konflikt sind sie aber Burst-Fighter, die entweder schnell gewinnen oder langsam aber sicher verlieren.
Dieses Denken düfte sich auch kulturell niederschlagen - Menschen sind Ausdauer-Hetzjäger, und kämpfen regelmäßig Abnutzungskriege, bei denen schlicht die Partei gewinnt, die länger durchhält. Bei Spezies wie Katzen, die aus dem Hinterhalt angreifen und wenig Ausdauer haben, dürfte das entweder zu einem Klingonen-/BattletechClaner-Modell führen (Blitzkrieg ftw, Logistik, was ist das?) oder (nach Kontakt mit anderen Spezies) in einer Überkompensation enden, bei der sie viel mehr Logistik und Truppenrotation haben, um ihren Mangel an körperlicher Ausdauer auszugleichen (und evtl. auch politisch/militärisch viel aggressiver agieren, um Probleme zu ersticken bevor sie ausufern oder chronisch werden).
Aber natürlich wollen viele (ganz besonders EDO-Fantasy-)Settings auch, dass sich Spieler schnell einfinden können, ohne seitenweise Regelwerk zu lesen oder sich ihr Hirn allzu sehr verbiegen zu müssen.
Was schade ist, weil da verdammt viel Potential für coole Sachen liegen gelassen wird.