Schon jemand den Backrooms-Film gesehen? Ich war sehr angetan, auch wenn das Finale noch einen Tick besser hätte sein können.
Liminal Horror ftw 
Ich habe ihn gesehen. Und ja, die Motive greifen natürlich auf Liminal Horror aus... aber ich glaube der Film gründet sich zentral auf dem Gefühl der Vereinzelung und Isolation, die die zeitgenössische, digitale Welt mit sich bringt. Der Regisseur und Autor Ken Parsons hat ja vor dem A24-Film schon eine Backrooms-Webserie mit dem gleichen Thema gemacht, damals in der Pandemie. Die ist auf ihre Art sehr beeindruckend. Ich lese die Backrooms auch als eine Analogie auf KI-generierte Inhalte im Netz, die zwar aussehen, als wären sie das, was sie sind, aber irgendwie auch seelenlos und hohl sind. Das zeigt sich im Film zum Beispiel darin, dass...
...alles eine gewissen uncanny surrealism hat, mit Möbeln, die seltsam ineinander verstellt sind, reale Dinge aus dem Möbelhaus, die falsch in den Backrooms rekombiniert werden, etc. Und natürlich die verzerrten Gesichter und die sechs Finger an der Hand im Schlussbild. Als der Typ, dessen Firma die MRT-Geräte herstellte, aber jetzt im Backrooms-Game ist, sagte, seine Firma mache nichts anderes mehr, habe aber selbst keine Ahnung, was sie da tun, fühlte ich mich an die KI-Konzerne erinnert, die nicht richtig eingrenzen können, wie AI jetzt genau funktioniert. Also, schon sehr gut beobachtet, das alles.
Hat außerdem starke Vibes von David Lynches Black and White Lodges,
Severance und
The Stanley Parable. Insgesamt ein toller Film und eine der Arten, wie ich heute Cthulhu spielen würde: Ohne Tentakelviecher oder unaussprechliche NSC-Namen und andere CTHULHU-RPG-Peinlichkeiten. Die Backrooms, DAS ist nun wirklich "nicht-euklidisch".
Falls Spielberg etwas von dem Geist der Filme Jack Arnolds und seiner Epigonen einfangen wollte, so ist er damit jedenfalls krachend gescheitert.
Weiß nicht, ob das ein Hot-Take ist, aber Spielberg hat mEn auch lange keine wirklich guten Filme mehr gemacht. "The Vogelmans" fand ich noch annehmbar, hatte auch gute Momente, aber irgendwie war da auch viel Vergessenswertes drin. Dasselbe gilt für "West-Side Story", der zwar hochglänzend ist, dem aber ein wenig die Seele fehlt, finde ich. Und von "Ready Player One" fange ich gar nicht an – so ein dummer Film einfach.
Also ja, der Steven hat sein Mojo verloren.
Vielleicht sollte man aber ob der allgemeinen Gurkigkeit des heutigen Corporate-Kinos auch manchmal in die Vergangenheit ausgreifen.
Ich habe gestern
Manche mögen's heiß gesehen, mit Tony Curtis, Jack Lemmon und Marylyn Monroe in den Hauptrollen – Regie Billy Wilder. Der Film ist von 1959 (!) und trotzdem, was man heute vielleicht als
"woke as f**k" bezeichnen würde. Er ist quasi die Mutter aller "Männer in Frauenkleider"-Komödien, hat den meisten der solchen aber viel Herz und irgendwo auch eine sehr progressive Sexualmoral voraus. Klar, der Film hat schon ein paar Old-Hollywood-Mann/Frau-Dynamiken, die er mit sich herumschleppt (etwa die erste Kussszene mit Marylyn (die aber zugegebenermaßen in weiteren gipfelt, in denen sie die Initiative hat und ihren Mann auch an den Haaren zu sich herandrückt... eigentlich ein typischer "Männermove" der Zeit). Und ja, der Film spielt schon auch damit, dass zwei Kerle da exaltiert und klischiert ihre weiblichen Alter-Egos aufführen. Aber sie tun das andererseits auch mit großer Finesse. Vor allem Jack Lemmon aka Jerry aka Daphne, der so völlig in seiner weiblichen Persona aufgeht, dass er sogar an einem Punkt beschließt, das Leben als Frau (an der Seite eines anderen Mannes) weiterzuführen. Und besagter Mann geht mit der Enthüllung, dass seine Daphne eigentlich ein Jerry ist schon äußerst locker um – vielleicht einer der besten Schlusssätze in der Geschichte der Komödie.
Mit anderen Worten: Ein Film so voller Männlichkeit-dekonstruierender Momente, dass sich Leute wie der Critical Drinker schon vom bloßen Ansehen nachträglich eine handvoll Testo-Pillen reindrücken müssten, weil sie sonst fürchten würden, unrettbar "verschwult" zu werden. SO progressiv ist "Manche mögen's heiß" im Vergleich zu vielem, was wir heute sehen. Kann ich völlig verstehen, warum der Film den Status hat, den er hat.
Nette Sidenote übrigens: Marylyn Monroe hat in diesem Film die Figur einer regulären Frau. Nicht die Hollywood-Schlankheit, die wir heute kennen. Auch interessant zu sehen.