Ich betreib mal schnell ein wenig Thread-Nekromantie. Aber vielleicht interessiert ja jemand ein Erfahrungsbericht denn ich bin tatsächlich in einer Runde auf StartPlaying gelandet.
Hintergrund war dass ich ewig nicht gespielt habe (gut, außer ein paarmal kleine One-Shots für Kinder geleitet) und wieder ins Hobby einsteigen wollte, auch wieder selber leiten wollte und neben Spielpraxis zu sammeln auch sehen wollte wie das so ein "professioneller GM" so macht. Und ich komme eigentlich aus dem Lager "Das ist mein Hobby, das will ich mit meinen Freunden zur Entspannung spielen und nicht dafür bezahlen.". Und bei mir kam ein wenig Scheu dazu, vor Fremden eventuell in character zu sprechen und das auf Englisch, das bei mir zwar nicht sooo schlecht, aber eben doch nicht meine Muttersprache ist. Egal, Neugier hat gewonnen.
Also, Profil erstellt, Runde gesucht und Platz gebucht. Die Session 0 hab ich versäumt, bin dann aber bei Session 1 eingestiegen. In eine Runde Warhammer FRPG und ich hatte kaum Ahnung vom System. Es war aber als Anfängerrunde ausgeschrieben also passt schon. Der GM hat mir vorher ein paar Nachrichten auf Discord geschrieben, mir angeboten mit mir einen Charakter zu erstellen (kostenlos) aber ich dachte ich kann das selber und hab ihm einfach einen geschickt. Mit den Sachen, die er haben wollte, was eigentlich nur die Hintergrundgeschichte, Motivation und ein Kontakt in Ubersreik war. Also, er war im Vorfeld schon bemüht.
Erste Session war durchwachsen, es war alles ein wenig langsam, unsere Dialoge hölzern und alle waren ein wenig ruhiger und zurückhaltender als ich es von meinen früheren Runde mit Freunden gewohnt war. Was aber nicht verwunderlich ist, schließlich kennt sich ja niemand. Ich hatte teilweise Probleme damit die Spieler den Charakteren zuzuordnen, ich sah nur die Namen der Charaktere auf Foundry und die Nicknamen der Spieler auf Discord, über das der Spielchat läuft. Da war dann ständig "Ähh, wer ist das jetzt nochmal?" in meinem Kopf. Und ein Spieler passte überhaupt nicht in die Runde, ging immer abseits der Gruppe und machte irgendwie sein eigenes Ding. Außerdem, ich musste mich immer arg konzentrieren um seinen echt starken schottischen Akzent zu verstehen aber das war ein Problem meinerseits.
Der GM ist super vorbereitet, musste bislang nichts offensichtlich nachlesen und hat sich (zumindest meinem Gefühl nach) auf alle möglichen Handlungen gut vorbereitet. Er gibt auch allen Spielern Spotlight und geht immer auf jeden ein. Ist einer mal länger ruhig, dann kommt "and [Spielername], what are you doing ...". Also von daher kann ich mich echt nicht beschweren.
Mittlerweile ist unser "Problemspieler" ausgestiegen weil er meinte diese Gruppe ist nichts für ihn. Und nach und nach werden jetzt auch die Interaktionen in der Gruppe besser, wir checken langsam die Regeln und wir fangen auch langsam an als Gruppe zu denken. Ich hör mittlerweile weniger "I walk up to ..." oder "I'm gonna do this ..." als "Hey guys, should we do this or do you think we should ...". Es wird und es fängt an richtig Spaß zu machen. Meinen ursprünglichen Plan, mir das mal ein paar Sessions lang aus Interesse anzuschauen, hab ich jetzt über den Haufen geworfen und bleib in der Gruppe.
Lustiges Detail: ich hab dann in der Arbeit erzählt dass ich wieder Rollenspiel spiele und es kam "Ach, warum leitest du nicht einmal für uns?". Also hab ich jetzt auch noch eine Runde gefunden, in der ich GM sein kann. Da haben wir uns für Splittermond entschieden. Was im Nachhinein eine Schnapsidee war weil die Regeln zwar konsistent sind aber am Anfang doch ein wenig erschlagen. Und das sind alles Rollenspielanfänger:innen. Aber jetzt haben wir da auch schon drei Spielabende hinter uns und langsam läuft es. Wobei ich mir da auch anfangs dachte ob ich wirklich abends noch mit Leuten rumhängen will, die ich eh den ganzen Tag schon sehe. Aber ja, passt schon. Und die Kinder meiner Mitarbeiterinnen hab ich mir jetzt auch geschnappt, die spielen nächste Woche Starport.
Also, ich war erst echt skeptisch gegenüber bezahltem GMing und dachte mir nie dass ich das nutzen werde. Und jetzt tu ich's. Klar, kostet was, aber in den Ruin wird es mich schon nicht treiben, dann kauf ich mir einfach weniger Tabletop-Figuren, die dann eh nur auf meinem pile of shame landen.
