Autor Thema: Bezahltes Spielleiten?  (Gelesen 37840 mal)

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Online Namo

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #425 am: Heute um 08:36 »
Ich hab generell ein Problem mit neuen Bekanntschaften. Warum ich auch oft viel länger mit Spielern spiele die gar nicht so recht zu meinem Spielstiel passen. Was mich auch davon abgehalten hat Jahrelang eine weitere Tischrunde an den Start zu bringen. Auf einer Con zu leiten wäre auch gar nix für mich. Als Bezahlter Spielleiter hätte ich ja laufend diese Situation.
Und ich leide unter einem verbreiteten Spielleiter Problem. Das Gefühl es nicht gut genug zu machen. Was es echt Hart machen würde einen angemessenen Geldbetrag festzusetzen.

Ich fühle dich  :)

Online Maarzan

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #426 am: Heute um 08:48 »
Bezahlen würde ich theoretisch für eine Tutorialrunde in verschiedenen exotischen (und eher älteren) Spielsystemen. Aber ob es dafür dann das Angebot gäbe und die notwendige Zahl Mitspieler um die Kosten in einen akzeptablen Rahmen zu drücken?
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Offline KhornedBeef

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #427 am: Heute um 09:31 »
Never send a human to do a machine's job. Ich halte jetzt etwas durch, bis sich da die beste LLM-Lösung gefunden hat, die wir dann dann auch günstig.
So ein Event ist sicher spaßig (auch unter dem Gesichtspunkt den Marzahn nennt) aber etwas anderes als meine Runde mit meinen Leuten, und das würde ja 100% meiner Rolloausgaben binden. Wenn ich einfach mit ein paar Leuten mal ein Abenteuer durchspielen will, passt die Maschine besser, vermute ich.

Und nur um das klarzustellen, von wegen anstrengend und Burnout: das ist mit der Preisstruktur deutlich gechillter als viele ähnlich bepreiste Jobs. Nicht ganz "Surflehrer" aber auch nicht höllisch.
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Offline Prisma

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #428 am: Heute um 09:33 »
Zwiespältige sehe ich das eigentlich auch eher nicht. Wie immer gilt: Es ist jedem seine Sache. Zum einen ist der Aufwand den man als Spielleiter für die Hobbyrunde betreibt ja kaum in Geld zu ermessen. Zum anderen würde es mir als SL vermutlich den Spaß am Hobby nehmen, wenn ich es professionell machen würde. Und dann ist es vermutlich auch wie im Spitzensport. Da wird es nur wenige geben, die am Ende dauerhaft davon leben können.

Ich meine wenn ich mir nüchtern deutsch das obige Beispiel durchrechne, klingt das nicht nach viel für mich. 4 Spieler, 3 Stunden für insgesamt 120 Euro. Das ist doch eher ein besseres Trinkgeld. Selbst wenn für Vor- und Nachbearbeitung nur 1 Stunde insgesamt drauf ging, wären das 4 Stunden für 120 Euro. Vielleicht mal pauschal 10 Euro abgezogen für Kosten, sind das 110 Euro. Davon ausgehend, dass ein Klischee EDVler das neben seiner Anstellung in einem Nebenerwerb macht, hat der für die Einkünfte einen Einkommensteuersatz von schnell 40 Prozent. Was bedeutet, der hat dann je Sitzung 66 Euro - oder einen Nettostundelohn von 16,50 Euro. Sobald er etwas mehr Aufwand für Vor- und Nachbearbeitung (z.B. Email/whatsapp etc. mit Spielern, doch mehr Abenteuervorbereitung) hat, geht der Ertrag natürlich deutlich in die Kniee. Das ist für so ein kreatives und zuweilen auch anstrengendes Hobby dann doch nicht wirklich viel.

D.h. wenn man das richtig monetarisieren will, muss man schon wieder zu den Besten gehören, die höhere Sätze verlangen können. Was natürlich den Aufwand wieder hoch treibt und auch die Gefahr eines SL Burnouts. Ich kann mir auf jeden Fall kaum noch vorstellen, dass das dann dauerhaft noch selbst Spaß macht.

Du sagst es! Die paar Kröten die man als GM-for-Hire einnimmt reichen dann für die zwei nächsten Regelwerke und nen Burger bei Macces. Was ich meine ist: diese Dienstleistung ist oft viel zu billig!

Es reicht aber nicht gut zu sein, bzw. das ist in diesem Geschäft nicht der wirkliche Kern. Man muss bekannt/berühmt werden, um dann pro Runde bis zu 2000 Dollar einzunehmen, wie mache D&Dtuber in der 5E-Hochzeit, die auch GM-for-Hire waren. Dann erst lohnt es sich. Da ist es völlig egal ob man gut ist, man darf nur nicht scheisse sein, so dass die Spieler mit dem Gefühl rausgehen dass "es gut war (weil ich bei Person Xy gespielt habe)". Den Rest redet man sich mit der sunk cost fallacy zu recht. 

Noch besser ist: man macht es wie Critical Role und andere kleinere und nutzt den Sweetspot der gelangweilten und faulen Allgemeinheit, die lieber zuguckt als selbst zu spielen/zu lesen/zu leiten. Und skaliert dann mit eigenem Merch-Shop, Patreon usw. Das kann man dann auch mit Freunden machen und muss sich nicht auf fremde Personen einstellen, wenn man das nicht möchte oder kann. Der Nachteil ist, dass man dann die Einnahmen aufteilen muss.   

EDIT: Typo

« Letzte Änderung: Heute um 09:37 von Prisma »
Mit einem 7er-Set, stehen ganze Universen offen.

Online Skaeg

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #429 am: Heute um 10:38 »
Und dennoch spielst du Rollenspiele. Ohne die ganze Monetarisierung hätte es die nie gegeben. Das wäre noch viel schrecklicher.
Das ist kein Vergleich von Äpfeln und Birnen, das ist ein Vergleich von Äpfeln und Bienenstöcken.

Dass das Spielmaterial bzw. die Ausrüstung Geld kosten, bedeutet bei Brettspielen und sportlichen Freizeitaktivitäten ja auch nicht, dass man Spielpartner für Geld anheuert.
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Online Maarzan

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #430 am: Heute um 10:41 »
Du sagst es! Die paar Kröten die man als GM-for-Hire einnimmt reichen dann für die zwei nächsten Regelwerke und nen Burger bei Macces. Was ich meine ist: diese Dienstleistung ist oft viel zu billig!

...

Es steht jedem frei mehr dafür zu nehmen und umgekehrt steht es jedem frei dann auf diesen Dienst zu verzichten. "zu teuer" oder "zu billig" gibt es im privaten Unterhaltungsbereich eigentlich nicht.
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Online Skaeg

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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #431 am: Heute um 10:48 »
Ich meine wenn ich mir nüchtern deutsch das obige Beispiel durchrechne, klingt das nicht nach viel für mich. 4 Spieler, 3 Stunden für insgesamt 120 Euro. Das ist doch eher ein besseres Trinkgeld. Selbst wenn für Vor- und Nachbearbeitung nur 1 Stunde insgesamt drauf ging, wären das 4 Stunden für 120 Euro. Vielleicht mal pauschal 10 Euro abgezogen für Kosten, sind das 110 Euro. Davon ausgehend, dass ein Klischee EDVler das neben seiner Anstellung in einem Nebenerwerb macht, hat der für die Einkünfte einen Einkommensteuersatz von schnell 40 Prozent.
Das ist in zweierlei Hinsicht eine Milchmädchenrechnung.
a.) Wenn man gut spielleiten will, investiert man mehr als eine Stunde Vorbereitungszeit für eine Session. Ich bin oft (nach meinem Empfinden) erschreckend unzureichend vorbereitet und muss viel improvisieren, obwohl ich mich länger vorbereite. Eine Stunde reicht ja kaum für die technische Vorbereitung, geschweige denn, um produktiv zu werden.
b.) In die andere Richtung: Der Durchschnittssteuersatz für ein Jahreseinkommen von 100K Euro(!) beträgt ~32%. Den Posting demonstriert entweder ein mangelndes Verständnis des Steuersystems oder der typischen Einkommensverhältnisse (das Thema, dass sich hierzulande gerne die einkommensstärksten 10% für arme Kirchenmäuse halten, hatten wir ja in einem anderen Zusammenhang schon...)
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Re: Bezahltes Spielleiten?
« Antwort #432 am: Heute um 10:49 »
Ich bin da voll bei Namo. Wie viele Leute mich schon gefragt haben, ob ich für sie nicht mal eine Kampagne leite. "Wir würden gern mal MYZ ausprobieren. Bei uns hat aber noch nie einer gleitet. Du machst das doch seit 20 Jahre jede Woche"

Ich war mal eine Zeitlang so dumm und habe 4(!) Runden wöchentlich geleitet. Alles unterschiedliche Spiele. Das hatte mit Spaß nichts mehr zu tun.

Ich hatte mir die Regeln draufgepackt, mir die Abenteuer ausgedacht oder gelesen und musste immer hellwach am Tisch sein. Und dann noch als Mediator die unterschiedlichen Spielerpersönlichkeiten einfangen.

Der Höhepunkt war der Anruf von einem Bekannten: "ein paar Freunde und ich wollen Shadowrun zocken. Ich habe denen gesagt, du bist der beste SL überhaupt. Wir spielen dienstags. Leite doch nochmal Renraku wie vor 10 Jahre für unsere alte Runde. Fänden die Jungs auch cool." Ich kannte die "Jungs" nicht mal.

Den habe ich nach Geld gefragt (jeder 15€/Std.). Da war der auch noch angepisst...