Autor Thema: [Empfehlt mir] Jüngere Science Fiction ...  (Gelesen 5291 mal)

0 Mitglieder und 2 Gäste betrachten dieses Thema.

Online Andropinis

  • Hero
  • *****
  • Beiträge: 1.592
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Andropinis
Re: [Empfehlt mir] Jüngere Science Fiction ...
« Antwort #50 am: 17.01.2026 | 23:24 »
    ...
    • Das mit Abstand beste Buch der letzten Jahre für mich war Die Kinder der Zeit von Adrian Tchaikovsky. Die Menschheit hat sich hier an ihrem (technologischen) Höhepunkt selbst zerstört und wir begleiten über Generationen, wie auf der einen Seite die Überreste der Spezies aus den Trümmern herauskriechen und verzweifelt eine Existenz außerhalb der lebensfeindlichen Erde suchen, während auf der anderen Seite auf einem von der alten Menschheit terraformten Planeten eine viral erhobene Spezies in kürzester Zeit Evolutionssprünge macht. Als die beiden Gruppen aufeinander treffen wird es interessant. Wahnsinnig toll geschrieben, mit so schönen Kniffen über einen Zeitraum von Jahrtausenden erzählt. Love it! Man darf nur nicht arachnophob sein.


    Tchaikovsky kann ich auch empfehlen. Habe "Cage of Souls" gelesen (auf Englisch) und es ist auf jeden Fall empfehlenswert.
    A reader lives a thousand lives before he dies. The man who never reads lives only one.

    George R.R. Martin

    Offline Taktikus

    • Experienced
    • ***
    • Beiträge: 256
    • Username: Taktikus
    Re: [Empfehlt mir] Jüngere Science Fiction ...
    « Antwort #51 am: Gestern um 08:25 »

    Etwas ratlos lässt mich nur die Ansage, dass die Crew aus delta-V Gründen 4 Jahre vor Ort bleiben muss bis sich wieder ein Startfenster öffnet, sie aber dennoch im Jahrestakt die bis dahin abgebauten Ressourcen zur Erde zurückschicken soll. Also keine Ahnung ob das legitim ist oder ob er sich hier eine Handwedelei erlaubt hat.
    ...

    Ich würde sagen, Erz und ähnliches lässt sich deutlich "heftiger" beschleunigen als Lebewesen, bei denen meist bei 10g Schluss ist. Raketen können deutlich mehr leisten. Das eröffnet natürlich mehr Optionen für Transportfenster. Aber ob sich das lohnt, so viel Energie für den Transport zu verballern?

    Mir gefällt Perry Rhodan im Moment mal wieder ganz gut.
    Veni, Vidi, Vomiti

    Ich kam, ich sah, ich übergab mich

    Offline Feuersänger

    • Orcjäger
    • Moderator
    • Titan
    • *****
    • Deadly and Absurdly Handsome
    • Beiträge: 35.535
    • Geschlecht: Männlich
    • Username: Feuersänger
    Re: [Empfehlt mir] Jüngere Science Fiction ...
    « Antwort #52 am: Gestern um 13:44 »
    Ich würde sagen, Erz und ähnliches lässt sich deutlich "heftiger" beschleunigen als Lebewesen, bei denen meist bei 10g Schluss ist. Raketen können deutlich mehr leisten. Das eröffnet natürlich mehr Optionen für Transportfenster. Aber ob sich das lohnt, so viel Energie für den Transport zu verballern?

    Die Beschleunigung ist bei interplanetaren Distanzen eh ziemlich irrelevant. Es ist meist schneller, über Wochen oder Monate ganz allmählich im Bereich von mm/s² [sic!] zu beschleunigen als einen kurzen Burst mit mehreren G hinzulegen, bei dem nach wenigen Sekunden oder Minuten der Treibstoff alle ist.
    Das ist auch hier in dem fraglichen Buch nicht so gemeint. Mittlerweile wurde rausgelassen, dass die Fracht mit nur 0,5km/s delta-V auf den Weg gebracht werden und die Reisezeit 3,5 Jahre betragen soll. Das kann dann entsprechend kein Hohmann-Transfer sein, sondern muss irgendwie unter Ausnutzung von Slingshots passieren - _wenn_ der Autor das korrekt recherchiert hat und sich nicht schlicht einen Fehler geleistet hat. Das würde aber dann auch bedeuten, dass die erste Fracht erst an der Erde ankommt, wenn die - hoffentlich bis dahin überlebenden - Astro-Bergarbeiter schon wieder zuhause sind.

    (Es gibt tatsächlich reale Near-Earth Asteroids, deren Bahn viel näher an der Erde liegt, und die tatsächlich von einem DRO aus alle paar Jahre mit wenigen 100m/s erreichbar wären, die sind aber auch ein bis mehrere Größenordnungen kleiner als der in diesem Buch ausgewählten Ryugu.)

    Bin jetzt in dem Buch bei ca 75% und es hat sich bis hierhin ganz gut entwickelt, bin gespannt wie es ausgeht. ^^
    Der :T:-Sprachführer: Rollenspieler-Jargon

    Zitat von: ErikErikson
    Thor lootet nicht.

    "I blame WotC for brainwashing us into thinking that +2 damage per attack is acceptable for a fighter, while wizards can get away with stopping time and gating in solars."

    Kleine Rechtschreibhilfe: Galerie, Standard, tolerant, "seit bei Zeit", tot/Tod, Stegreif, Rückgrat

    Offline First Orko

    • DSA-Supermeister auf Probe
    • Koop - Fanziner
    • Legend
    • **
    • Fackelschwingender Anti-AI Agitator
    • Beiträge: 6.913
    • Geschlecht: Männlich
    • Username: Orko
    Re: [Empfehlt mir] Jüngere Science Fiction ...
    « Antwort #53 am: Gestern um 14:01 »
    Das ferne Licht der Sterne von Laura Lam
    (eng. Goldilocks, Nerdpunkt für jeden, der weiß was da Wort mit SciFi zu tun hat  ;))

    Eine Gruppe von fünf Frauen stiehlt das einzige verbliebene Raumschiff auf der Erde, um einen neuen Planeten zu finden. Sie waren alle an der Entwicklung des Schiffes und des Projektes beteiligt, wurden aber aufgrund von politisch-religiösen Gründen kurz vorher von (fähige, aber deutlich weniger geeignete) Männer ersetzt, weshalb sie sich für den Diebstahl entscheiden. Die Welt ist.. hm. Heute auf 100 gedreht? Eine von Männern dominierte, christlich-fundamentalistische Dystopie, die sehenden Auges in den klimatischen Kollaps rennt. Die Frauen haben die Vision einer neuen Welt (die auch schon entdeckt wurde), wo sie als Erobernde die Regeln definieren könnten.

    Die ganze Beschreibung der Raumfahrt und Probleme wie Ernährung während des Flugs (durch nahrhafte, aber nicht sehr schmackhafte Algen) und Energieversorgung empfand ich als Nicht-Hobby-Astrophysiker als recht überzeugend. Als Soft-SciFi-Kröte muss man wohl die praktische (aber explizit als experimentell dargestellte!) Umsetzung des Alcubierre-Antriebs schlucken, die aber stimmig und "sich wissenschaftlich anfühlend" dargestellt wird.

    Das Thema ist aber weniger, wie bestimme, ingenierstechnische Probleme umgangen oder gelöst wurden, sondern vielmehr die Integrität der Teilnehmenden, Gruppendynamiken und wie nah Genie und Größenwahn auch in einer kleinen, harmonisch wirkenden Gruppe droht, Alles zu gefährden. Die Charaktere sind glaubhaft aber ein stückweit mit stereotypischen Eigenschaften versehen, die aber gut zu einer solchen Crew passen - weit weg von den peinlich-pubertären Abziehbildern eines Andy Weir oder Frank Schätzing.

    Insgesamt kurzweilige Unterhaltung mit ein paar überraschenden Wendungen, die das Buch imho richtig interessant machen aber die ich hier nicht spoilern will.


    It's repetitive.
    And redundant.

    Discord: maniacator#1270

    Dir ist schon klar, dass es in diesem Forum darum geht mit anderen Leuten, die nix besseres mit ihrem Leben zu tun haben, um einen Tisch zu sitzen und sich vorzustellen, dass wir Elfen wären.

    Online Sard

    • Adventurer
    • ****
    • Beiträge: 745
    • Username: Sard
    Re: [Empfehlt mir] Jüngere Science Fiction ...
    « Antwort #54 am: Gestern um 16:52 »
    Im letzten Jahr habe ich das hier gelesen (und kopiere aus der Lesechallenge 2025 daher mal hierher):

    Athos 2643 von Nils Westerboer
    Ein SciFi-Roman, der sich - auch wenn ich weiß, dass ich einige Teile nicht wirklich verstanden habe -  gelesen hat wie ein warmes Messer in Butter. Aber auch eine Zukunft, die ich nicht wollen würde.
    Interessante Perspektiven und Annahmen, sehr ambitionierter Inhalt - ich kann es gar nicht wirklich beschreiben: irgendwie ein Kriminalroman mit und um KI und deren Wille und Entscheidungsbasis *(Odysse im Weltraum lässt grüßen, aber moderner)*, Freiheit, Glaube, menschliche Entwicklung...
    Mein Geschreibsel klingt nicht hilfreich, aber das Buch ist lesenswert.
    "Nichts ist so gerecht verteilt wie der gesunde Menschenverstand. Niemand glaubt mehr davon zu brauchen als er hat." René Descartes

    "Der Wein muß in den Koch hinein". (Daniele Persegani, Fernsehkoch bei "alicekochen".)

    Offline Taktikus

    • Experienced
    • ***
    • Beiträge: 256
    • Username: Taktikus
    Re: [Empfehlt mir] Jüngere Science Fiction ...
    « Antwort #55 am: Heute um 15:08 »
    Ich habe "jüngere SF" vielleicht etwas zu eng genommen, hatte so an die Jahre 2023 - 2025 gedacht. Da der Begriff hier offensichtlich doch weiter gefasst wird werde ich mal folgende Empfehlungen los (achja, habe den Fred nochmal durchgelesen, gebe aber tropsdem keine Gewähr, daß keines dieser Bücher bisher erwähnt wurde):

    "Walkaway" von Cory Doctorow, heisst auch in deutscher Übersetzung so nach meinem Kenntnisstand, von 2017

    "Die Maschinen" von Ann Leckie von 2015

    "Grau" von Jasper Fforde von 2011

    Ich lese nur deutsche Übersetzungen. Die Bücher sind für mich subjektiv durchaus "jünger", da ich Bücher nicht lese wenn sie herauskommen, sondern wenn ich im Buchladen über sie falle. Die Jahreszahlen, für die Bedingung "jüngere", sind von mir so recherchiert, auf die Schnelle aus dem Internet. Ich habe jetzt ca. 1.500 SF und Fantasy-Bücher durch, diese 3 sind in meinen Top 10. Unbedingt empfehlenswert!
    « Letzte Änderung: Heute um 15:10 von Taktikus »
    Veni, Vidi, Vomiti

    Ich kam, ich sah, ich übergab mich

    Offline Feuersänger

    • Orcjäger
    • Moderator
    • Titan
    • *****
    • Deadly and Absurdly Handsome
    • Beiträge: 35.535
    • Geschlecht: Männlich
    • Username: Feuersänger
    Re: [Empfehlt mir] Jüngere Science Fiction ...
    « Antwort #56 am: Heute um 16:19 »
    Ich hätte jetzt "jüngere SF" so ganz grob "ab 2000" definiert, oder vielleicht sogar noch etwas weiter gefasst. Primär also im Gegensatz zum "Golden Age", das ich so ganz grob in den 40er bis 60er Jahren verorten würde. Eben als man sich vorgestellt hat, dass man mit seinem Atomhelikopter zur Arbeit fliegt oder rasch mit der Morgenrakete zum Mond düst.

    --

    Abschlussbesprechung "Delta-V" von Suarez:
    Hab es jetzt fertig. Es gibt leider noch ein paar "kleinere" Plot Holes, die man aber mit etwas gutem Willen ignorieren bzw wegdrücken kann.
    Rein physikalisch habe ich noch eine Sache zu bekritteln - das ist jetzt storytechnisch kein großer Spoiler aber ich setz ihn mal trotzdem in Tags:
    (Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

    Nichtsdestotrotz!
    Auch wenn das Buch am Anfang sehr langsam in die Gänge gekommen ist (siehe meinen früheren Beitrag dazu), und einige Handlungselemente etwas fragwürdig sind, ist es im letzten Drittel oder so nochmal richtig in Fahrt gekommen und hat großen Spaß gemacht. Trotz ein paar kleineren Ungenauigkeiten in der Physik bin ich insgesamt mit der SF-Hardness zufrieden. Unterm Strich hat es mir also gut gefallen und ich denke, ich werde mir die Fortsetzung holen. Vielleicht werden dann ja da auch die Fragen noch aufgelöst, die hier für mich offen geblieben sind.

    Gesamturteil: 4 von 5 Astronautenhelmen
    Der :T:-Sprachführer: Rollenspieler-Jargon

    Zitat von: ErikErikson
    Thor lootet nicht.

    "I blame WotC for brainwashing us into thinking that +2 damage per attack is acceptable for a fighter, while wizards can get away with stopping time and gating in solars."

    Kleine Rechtschreibhilfe: Galerie, Standard, tolerant, "seit bei Zeit", tot/Tod, Stegreif, Rückgrat