Muss es ja nicht. Aber ein Blick auf die historische Zerfaserung der RPG-Landschaft, die ja nicht erst vor kurzem, sondern schon Ende der 70er eingesetzt hat, zeigt, dass sich kein einziges Fantasy-RPG außer D&D dauerhaft bei einer breiten Masse etablieren konnte. Das einzige, was es in manchen Ländern gab, waren nationale Ersatzprodukte für D&D, die z.T. null Ähnlichkeit hatten mit den D&D Regeln (wie z.B. DSA), aber die trotzdem als D&D-Ersatz gespielt wurden. Daher hatte D&D in Deutschland lange Zeit keine Chance, hat dann aber ab den 00er Jahren DSA zunehmend verdrängt und dominiert jetzt auch hier den Markt.
Ich schließe daraus, dass es total egal ist, wie pfiffig und unterschiedlich die Regeln eines bestimmten Fantasy-RPGs sind. Es ist wohl einfach nicht genug Kaufkraft bzw. Kaufwille bei der breiten Masse da. Das Tanelorn bestätigt hier die Regel, weil sich hier ja genau der Promille-Anteil der deutschen Rollenspielerschaft sammelt, die Rollenspiele sammelt (sic!).
P.S. Interessant war damals Splittermond, weil das das Potenzial hatte anscheinend, sich zum zweiten großen deutschen Rollenspielsystem zu entwicklen. Da darf man aber nicht vergessen, dass damals 1) viele DSA-Fanboys sauer waren auf Ulisses und keinen Bock mehr hatten auf DSA 4.1 und dass 2) D&D 5 noch nicht auf dem Markt war und Pathfinder langsam auf die Übersättigung zusteuerte. Eine vergleichbare Situation sehe ich aktuell nicht. Das Rollenspieler-Milieu, das Midgard bedient hat, hat doch gefühlt 0,0 Überschneidungen mit den Leuten, die jetzt Daggerheart oder D&D 5.5 kaufen (wie gesagt, Leute in diesem Forum zählen nicht, weil sich hier die System-ADHSler versammeln, ich nehme mich da nicht aus).
P.P.S M6 ist mir ansonsten herzlich Wurst. Ich kaufe ja eigentlich fast nie aktuelle Rollenspiele. Bei M5 habe ich aber aus FOMO zugeschlagen und alles gekauft, was erschienen ist, außer Meister der Sphären und den Thalassa-Band, weil die superselten sind. Wie stark die Nachrage nach M5-Produkten immer noch ist, zeigt, dass aktuell auf eBay Bücher, die ich für 5 Euro gekauft habe (Herbarium!) für über 120 Euro verkauft werden (also wirklich verkauft!). Wäre ich ein herzloser Spekulant (wie viele anscheinend), dann wäre meine Sammlung aktuell (inkl. einem auch super seltenen Band) zwischen 1.000 bis 2.000 Euro wert. Komplett gestört. Klar, dieser Hype wird nicht lange halten, aber es zeigt doch, wie groß die Liebe zu M5 bei eingefleischten Fans anscheinend ist.