Autor Thema: Blades in the Dark  (Gelesen 9328 mal)

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Offline Skasi

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Re: Blades in the Dark
« Antwort #100 am: 5.09.2018 | 19:29 »
Dann habe ich schon die nächste Frage: Woran störst du dich am Setting?

Ich persönlich mag es sehr gern. Es düster und schmutzig und lokal begrenzt (aber mit Option, das auch mal zu verlassen). Die Fraktionen sind bunt und zahlreich, sodaß man sie m. E. leicht einbinden und wieder ausklammern kann.
Und ich stehe auf die Ideen mit den Leviathanen, den "normalen" Dämonen und den Geistern.
Usw. usf. ;)

Offline tanolov

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Re: Blades in the Dark
« Antwort #101 am: 6.09.2018 | 19:10 »
@zarkov

ich kann mir denken womit du deine problemchen hast, aber so wie du es beschrieben hast ist es nicht wirklich logisch konsistent:
auf der einen seite sagst du, dass spieler mit all ihren regeltechnischen möglichkeiten so großartige dinge vollbringen können, dass es schon fast zu leicht ist. diese dinge kosten zum großen teil stress. auf der anderen seite kritisierst du dann, dass spieler in lose-lose situationen geraten können, wenn ihr stressbar voll ist. (wobei man natürlich immer eine 6 beim resist würfeln kann). das stimmt zwar, aber diese beiden dinge hängen zusammen. man kommt in diese harten situationen, weil man vorher zuviel stress ausgegeben hat. d.h. wenn man konservativer ran geht und/oder mehr negative dinge zulässt, dann hat man im späteren verlauf des scores mehr handlungsmöglichkeiten. am ende des tages kann man blades scores nämlich tatsächlich nicht schaffen und PCs können auch wirklich für scenen/scores ausgeschaltet werden bzw nach dem 4. trauma auch permanent aus dem spiel entfernt werden. in dem von dir genannten beispiel würde ich von außen aus urteilen, das der/die spieler einfach zu hoch gepokert und dann verloren haben. im freeplay hat jeder maximal 3 stress, bei allem anderen ist er einfach gierig. meiner erfahrung nach ist blades für spieler die auf powerfantasy stehen und strahlende helden die immer gewinnen sein wollen grundsätzlich das falsche spiel, grade weil man so oft regelmäßig auf die schnauze bekommt und man absichtlich(!) schlechte dinge passieren lassen muss um am ende erfolg zu haben.

solange man auf der score oder sogar kampagnen ebene bleibt, sehe ich daher nicht wie blades es schwer macht wirklich dagegen zu halten. klar, jeder obstacle für sich ist einfach zu überkommen aber jeder obstacle für sich kostet auch ressourcen und wenn die weg sind, dann siehts düster aus. das schöne an blades finde ich hier, das man den "schwierigkeitsgrad" frei bestimmen kann, indem ich die konsequenzen anpasse. in meiner einen blades gruppe waren die konsequenzen oft nur sehr einfach oder in die zukunft gerichtet (schusswunde in der schulter, 4er clock für verstärkung etc.), dadurch passiert den charakteren natürlich recht wenig. in meiner anderen gruppe gab es regelmäßig die konsequenz "dir wird in den kopf geschossen und du bist auf der stelle tot, durch den schuss sehen die bewohner der häuser aus dem fenster, erkennen euch und ihr bekommt 3 heat". da wurde blades plötzlich zu einem absoluten meatgrinder und man musste wirklich alles ausnutzen was man in seinem arsenal hatte um einen score zu schaffen.
beide spielarten waren richtig spaßig und das finde ich das schöne ab blades.
« Letzte Änderung: 6.09.2018 | 19:13 von tanolov »

Offline Zarkov

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Re: Blades in the Dark
« Antwort #102 am: 8.09.2018 | 20:38 »
Dann habe ich schon die nächste Frage: Woran störst du dich am Setting?

Du willst es wirklich genau wissen, oder? :D

Mein Problem ist, daß ich nur sehr schwer reinkomme in das Setting. Es ist ziemlich kapriziös und voller willkürlicher Absurditäten, die es cool und anders machen sollen. Das funktioniert ja auch nicht schlecht, anders ist es auf jeden Fall, aber es ist nicht die Art cool, die ich möchte – „it’s trying too hard“, wie die Amis so schön sagen. Aber vor allem habe kein Gefühl für das Setting.

Wenn wir als Spielergruppe uns selbst ein Setting basteln und dazu ein, zwei Computerspiele in den Mixer werfen und dann noch kuriose Sachen dazugeben, die wir reizvoll oder amüsant finden, dann weiß ich, wie das Setting tickt und warum. Das ist dann unser Ding, und das habe ich drin. Bei Blades muß ich mich erst mühselig reinschaffen. Mit Weltwissen, gesundem Menschenverstand oder Logik kann man sich das nämlich nicht erschließen. Früher oder später muß man die Vorgaben einfach akzeptieren, da kommt man mit Hinterfragen nicht weiter.


– „OK, spielen wir Blades. Ihr seid Verbrecher und Gauner. Auf geht’s!“

– „Super. Also, wir brechen da ein? Gut. Dann verstecken wir uns im Gebüsch, bis die Sonne untergeht und …“

– „Moment, es gibt keine Sonne, die ist in Scherben zerborsten. Es ist eigentlich immer Nacht. Und alle Gebüsche sind versteinert oder selbstleuchtend und giftig.“

– „Ah so … gut. Äh, wieso erstarrt die Welt nicht zu Eis, so ohne Sonne?“

– „Frag net.“

– „Ah ja, gut. Dann warten wir in der Kneipe an der Ecke, bis … öhm, Moment, was essen die Leute, wenn nichts mehr wächst?“

– „Aale und Pilze, steht hier.“

– „Ah, und … wovon ernähren sich die Aale?“

– „Die fressen die ganzen Leichen der Leute, die dauernd im Fluß landen …?“

– „Ah ja, klar. Kreislauf geschlossen, super. Und die Thermodynamik …?“

– „Jetzt frag net!“


Letzten Endes eine reine Geschmacksfrage. Ich löse das Problem ganz gerne, dann, indem ich am Anfang der Runde ein bißchen mehr colour ins Spiel bringe und beim Aufsetzen der Ausgangssituation zugleich etwas Atmosphäre schaffe, und dann die ganzen speziellen Kuriositäten im Hintergrund verblassen lasse. Wenn die Action erst mal läuft, brummt das Spiel und kein Mensch fragt mehr danach.

Trotzdem mag ich ganz gerne als Schurke durch die Nacht schleichen. Wenn es dann eigentlich gar keine Nacht gibt, fühle ich mich immer ein bißchen beraubt. Wenn sie wissen, was ich meine. :D

Mein anderes Problem ist, daß ich Settings lieber komplett im Spiel aufbaue und die Vorgaben zum Hintergrund am liebsten nur über die Regeln und Prozeduren integriert habe, wie in Apocalypse World, Burning Wheel und so weiter. Ich finde das inzwischen weit weniger stressig und aufwendig, als ein Setting-Kapitel oder gar Hintergrundbände durchzuackern und aufzuarbeiten. Blades ist da ja schon relativ leichtgewichtig, aber ich habe gemerkt, mir ist selbst das inzwischen zu viel. Nur mal so als Beispiel – wenn man mit dem Faktionsspiel ernst machen möchte, kommt man ohne Beziehungsdiagramm schon bei der Anfangssituation nicht aus:

„Also, wir geben jetzt den Cabbies auf die Kasse. Mal sehen, die sind mit den Red Sashes verbündet, die wiederum mit den Gondoliers verfeindet sind, die mit den Lampblacks verbündet sind, die im Krieg mit den Red Sashes … Moment, da waren wir doch grade schon … also, und die Sashes waren mit den Iruvianischen Konsulat, die wiederum …”

Bei mir reibt sich dann immer die Improvisation (die mit Blades ja von der Hand geht wie ein, nun, ein Spiel) und die detaillierten Vorgaben. Und mit dem Faktionenspiel kann ich gar net, habe ich festgestellt. Ohne Flags steh ich da immer im Wald und es kommt nicht zu interessanten Konflikten.

Das klingt jetzt vielleicht alles nach geschmäcklerischem Gemecker, also sag ich’s nochmal zum Schluß: Auf Dauer wird mir dieses Spiel zu viel, aber eine Demorunde oder eine kleine Kampagne von drei, vier Runden ist damit ein echtes Vergnügen. Das mach ich jeder Zeit; so langsam fühlt man sich ja doch soweit in das Setting ein, wie man es da braucht. Das größte Manko ist dann die Organisation des Regelwerks, sonst gibt es nicht mehr viel zu meckern.
« Letzte Änderung: 8.09.2018 | 20:42 von Zarkov »
»… hier wirkt schon uneingeschränkt das sogenannte Lemsche Gesetz (Niemand liest etwas; wenn er etwas liest, versteht er es nicht; wenn er es versteht, vergißt er es sofort) …«*

Offline YY

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Re: Blades in the Dark
« Antwort #103 am: 8.09.2018 | 20:41 »
Mir kam bei meinem Reinschauen das Setting vor Allem ziemlich überflüssig vor.

Mit einem generischen Fantasy-Steampunk-Metroplex kommt man doch genau so weit und kann obendrauf alles nach Belieben aus- und anmalen...
"Kannst du dann bitte mal kurz beschreiben, wie man deiner Meinung bzw. der offiziellen Auslegung nach laut GE korrekt verdurstet?"
- Pyromancer

Offline Zarkov

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Re: Blades in the Dark
« Antwort #104 am: 8.09.2018 | 20:54 »
Naja, mit generischem Cliché-Pampf kannst du mich freilich auch jagen. Duskvol und die Welt drumherum ist halt das nach den Vorlieben des Machers zusammengebastelte Setting. Wenn das Spiel jetzt so angelegt wäre, daß man sich im Spiel ebenfalls selbst seine eigene Stadt und seine Welt schafft, wäre das sicher genauso kapriziös und für Außenstehende ebenso absurd – aber es wäre halt meins.

Aber viele Leute wollen anscheinend ein ausgearbeitetes Setting, und – so mein Eindruck – je mehr und detaillierter, desto lieber.

Wobei, ich muß gestehen, daß ich manche Details inzwischen bereits reizvoll finde. (Ich sage nur, Pjotr der Ziegenkutscher.)
»… hier wirkt schon uneingeschränkt das sogenannte Lemsche Gesetz (Niemand liest etwas; wenn er etwas liest, versteht er es nicht; wenn er es versteht, vergißt er es sofort) …«*

Offline YY

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Re: Blades in the Dark
« Antwort #105 am: 9.09.2018 | 06:16 »
Ich meinte damit schon, dass man entweder nur 2-5 Pinselstriche macht und den Rest offen lässt oder direkt einen Baukasten mitliefert.

Da ist meine Erwartungshaltung vielleicht von The Sprawl mitgeprägt gewesen, aber bei solchen one-off-GRWs wäre das im Grunde immer meine Tendenz.
Wer spielt denn so was und will ein "richtiges" Setting?  :P ;D
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Offline La Cipolla

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Re: Blades in the Dark
« Antwort #106 am: 17.10.2019 | 12:47 »
Für die Backer: Es trudeln ja immer mal neue PDFs ein und einige davon sind SEHR cool. Ich empfehle bspw. Blades Against Darkness, wenn man Bock auf Darkest-Dungeon-esque Dungeon Crawl Fantasy mit sehr eigenen Twists hat. Der Anlass dieses Posts ist allerdings Leviathan Song, das gerade aufgetaucht ist und mit der Leviathan-Jagd ein Element des Settings ausbaut, das ich von Anfang an sehr spannend fand. Und es enttäuscht in dieser Hinsicht nicht, weil echt ein paar coole Ideen drin sind! kA ob ich es wirklich länger spielen wollen würde, aber wer das Setting von BitD mag, dem empfehle ich hier einen Blick.

Offline Antariuk

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Re: Blades in the Dark
« Antwort #107 am: 17.10.2019 | 12:56 »
Argh, das klingt alles echt richtig gut - nur muss ich mich in Enthaltsamkeit üben, weil ich ja grade in einer aktiven Runde mitspiele. Diese Versuchung... >;D
"Ein Zauberer mag noch so raffiniert sein, ein Messer im Rücken wird seinen Stil ernsthaft versauen." - Steven Brust