Das Kalkül war man nehme eine weltbekannte etablierte Marke und mixt sie mit Zutaten basierend aus den Ergebnissen von Umfragen was dem modernem Zielpublikum wichtig scheint und glaubt fest daran einen Erfolg einzufahren weil ja Zahlen, Daten und Fakten genau das suggerieren. Was man jedoch nicht bedacht hat, ist, dass vielbekannte Sprichwort "viele Köche verderben den Brei". Durch Berücksichtigung so vieler Wünsche, Vorgaben, Quoten, uvm. hat sich die DNA des Franchises dann derart geändert, dass die meisten bisherigen Fans abgesprungen sind und man auch nicht wirklich neue Fans im gleichen Ausmaß hinzugewonnen hat.
Okay, ich werde mich jetzt hier wahrscheinlich ein bisschen unbeliebt machen...
Eigentlich sagen wir damit doch "Ja, hätte Disney doch lieber auf MICH gehört, denn ICH bin der Fan mit dem guten Geschmack."
Dabei sind doch Franchises im Medienbereich schon per definition "Ein Brei für viele, viele Köche". Dass niemand heute ein Star Wars machen kann, das so gut ist, wie das aus den 70ern, ist doch klar: In den 70ern war Star Wars nämlich neu und aufregend. Heute ist Star Wars einfach nur "one of the franchises". Ein vertrauter Platzhirsch. Ein kleinster, gemeinsamer Nenner. Wird der von Disney gemolken, um möglichst viel Gewinn abzuschöpfen? Klar.
Aber: Die Fans sind doch selbst mit dran Schuld. Die pfeifen sich doch auch noch den größten Mist rein, nur weil da "Star Wars" draufsteht und man aus Nerd-Credibility-Gründen ja bitte nichts verpassen darf. Disney hat diese Formel mit ständig neuem Star Wars-Blödsinn halt auch deshalb gemacht, weil es einen Markt dafür gab. Weil die Nerds den Kram angeschaut, durchgespielt und in die Wohnung gestellt haben. Zugleich kann man es dem modernen Fandom von egal was heute auch nur noch schwerlich Recht machen. Die relative Einigkeit von Fanbewegungen bis zur Erfindung der sozialen Medien, wo Austausch auf wenige Informationsquellen oder obskure Foren beschränkt ist, ist einer Flut von Meinungscontents auf den sozialen Medien gewichen, die aufmerksamkeitsheischend noch jeden winzigen Lapsus in einem Film zum Untergang der Star-Wars-Brand hochjazzen. Oder ihn aus kulturkämpferischem Sentiment schon vor Ausstrahlung verreißen, das es kein Halten mehr gibt.
Ergebnis ist klar: No one can agree on anything. Ich fand, "The Last Jedi" hatte zum Teil die richtigen Ideen bei suboptimaler Umsetzung, während Episode 7 ein schläfriges Nostalgiefest ist, das mich im Kino gelangweilt hat. Und "Andor", das ist das beste "Star Wars" seit geschnitten Brot. Ist aber auch klar, dass niemand sich einigen kann – das eigentliche Problem bei "Star Wars" ist nämlich ein anderes:
Es. Gibt. Einfach. Zu. Viel. Star. Wars.Es ist zu viel Stuff. Das ist auch schon im MCU der Fall. Oder bei Jurassic Park. Oder bei Transformers. Oder bei Star Trek. Oder oder oder...
Kein Wunder, dass das Publikum da irgendwann von der Fahne geht. Der verlinkte Artikel fragt ja auch gar nicht, wer die Leute sind, die für "Star Wars" nicht mehr ins Kino gehen. Für einen Serien-SpinOff, wohlgemerkt... das mit "Rogue One" zu vergleichen, das KEINE Vorbedingungen braucht außer die alte Trilogie und das vor einer Pandemie und einer Ölkrise und einer sich verschärfenden Inflation rauskam, ist doch unterkomplex. Es wird einfach angenommen, diejenigen, die abgesprungen sind, seien "die alten Fans"... aber vielleicht sind es auch einfach Menschen, die keinen großartigen Bezug zu "Star Wars" haben. Und die WAS im Kino sehen wollen??? Richtig: Neuen Kram! (Der Artikel ist in dieser Hinsicht wirklich vollkommen hanebüchen und mischt munter Zahlen zusammen, die nichts miteinander zu tun haben.)
Insofern ist es sogar rational, dass Disney auf PG-13 abzielt: Damit Star Wars nämlich eine Marke bleibt, braucht man neue Fans. Man braucht Menschen, die damit aufgewachsen sind. Sich nur auf die zu fokussieren, die "Star Wars" früher mal cool fanden und jetzt aber ein gritty universe voller Tod und Action und Antihelden wollen, ist doch auch keine Lösung für das Problem.
Falls es überhaupt ein Problem ist. Eigentlich ist es nur eine Bestätigung dessen, was ich schon seit der Hochphase des MCU sage: Es gibt keine unendliche Formel zum Gelddrucken für Kreativunternehmen. Gibt es nicht. Wird mit der Franchisisierung von allem immer wieder versucht, aber irgendwann ist das Publikum dessen auch überdrüssig. Dann müssen neue Stoffe her oder man wartet zwei Jahrzehnte oder so und versucht es dann nochmal.
Ein Franchise nur daran auszurichten, was irgendwelche Alt-Fans wollen, kann genauso ins Desaster führen. Siehe LEGO. Oder DSA.
Heißt nicht, dass "Star Wars" nicht bessere Werke produzieren könnte, um die Zielgruppen bei Laune zu halten, das nicht. Aber es ist auch einfach eine Art "Naturgesetz" aller fiktionalen Inhalte, dass das Vertraute nur so lange am Besten schmeckt, bis man rapide etwas Neues will. Und die meisten Leute schauen halt in ihrer knapp bemessenen Freizeit im Kino lieber was ganz Neues. Wenn sie überhaupt ins Kino gehen.
Im Zweifel halte ich es da wie der Friendly Space Ninja:
Let. It. Die!Und damit meine ich nicht nur die Studios sollen ihre Franchises auch mal sterben lassen, sondern auch die Fans. Wenn ich einen 5-Jährigen mit einem "Arielle die Meerjungfrau"-T-Shirt sehe, dann bricht mir das das Herz. Ich hätte mit 5 nämlich vielleicht dasselbe T-Shirt getragen. Ich will keine gerontischen Franchises mehr, die sich über Generationen ins Jetzt retten. Und wenn, dann sollen die bitte zu etwas völlig Anderem mutiert sein, das ich als alter Knochen nicht mehr verstehe.
Wenn "Star Wars" jetzt den Weg allen Fleisches geht, dann sage ich: Ja, alles hat seine Zeit. Und vielleicht kommt ja ein cooles, neues Science-Fantasy-Epos nach... solange es nicht "Rebel Moon" ist.