Also ich glaube auch, dass viele beim Wort Open-Table gleich an Old-School-Play (von mir aus auch "West Marches") denken. Man sieht ja schon im Thread, dass fast alle hier D&D bzw. ein D&D-Derivat anbieten wollen.
Für mich heißt Open Table (sofern es nicht um One-Shots geht, die mich nicht interessieren), dass es regelmäßige Sitzungen in einer persistenten Welt gibt, die durch die Spielercharaktere geformt wird. Gleichzeitig gibt es keine feste Party, sondern es wird immer mit denen gezockt, die gerade anwesend sind. So lief es doch auch in Blackmoor (und in geringerem Maße bei Gygax).
Daraus leiten sich für mich folgende Kriterien für ein geeignetes System ab:
1) Das System muss entweder öffentlich zugänglich sein (z.B. über ein SRD) oder so bekannt, dass es eh jeder Ü30-Rollenspieler schon einmal gespielt hat oder weiß, wie es funktioniert (ergo: D&D oder DSA).
2) Das System muss eine so einfache Charaktererschaffung haben, dass man nach einem Charaktertod sofort wieder einsteigen kann bzw. dass sich ein neuer Spieler sofort einen Charakter auswürfel / erstellen kann.
3) Das System muss entweder einfache Mechaniken haben oder die sämtliche komplizierte Mechaniken quasi unsichtbar an den Referee auslagern (wie z.B. D&D).
4) Das System darf keine Meta-Mechaniken für Kampagnen-Spiel oder Gruppen-Spiel beinhalten (so wie FATE oder One-Ring), weil man nicht davon ausgehen kann, dass die selben Charaktere öfter miteinander spielen.
Meiner Meinung nach bleiben da eigentlich nur:
OD&D: es gibt zwar kein SRD, aber 1. ist das PDF superbillig und 2. müssen die Spieler einfach nur 6x Würfeln, dann Rasse und Klasse bestimmen und Gold auswürfeln (und dann aus einer Ausrüstungsliste seine Sachen kaufen, wobei das auch während der Sitzung gemacht werden kann) - fertig. Mehr Regeln braucht man nicht kennen, weil einem der Referee sagt, was man würfeln muss.
Basic D&D: hier gibt es OSE (das ich persönlich überflüssig finde) oder eben die günstigen PDFs. Auch hier gilt (wenn auch in geringerem Maße als für OD&D), dass die Regeln easypeasy sind und man nicht mal ein Regelbuch braucht. Problem sind hier so sachen wie THAC0 und Saves, die man den Spielern mitteilen muss. Dadurch gehen schon einige wertvolle Minuten verloren.
Alles über OE/BX ist (also AD&D 1E und 2E) ist meiner Meinung nach schon fast zu kompliziert. Hier gibt es viele abgeleitete Werte. Klar, man kann nen Generator verwenden, aber die Spieler sollten schon verstehen, was sie da ausgewürfelt haben.
Neben D&D sehe ich dann nur noch DSA 1 (DSA 2 und höher ist wegen der vielen Talentwerte viel zu langwierig in der Charaktererschaffung). Klar, hier gibt es auch kein SRD, aber bei DSA 1 muss man echt keine Regeln können. Nicht mal der Meister muss recht viel mehr wissen als die Spieler.
Für mich persönlich ergibt sich dadurch folgendes Problem: wenn ich einen Open Table anbieten möchte, der möglichst "open" und persistent ist, dann bleiben für mich nur OD&D und DSA 1. Weil aber so viele andere schon in die Richtung Old-School gehen, wäre es überflüssig mMn, noch mal ein Old-School-D&D-System anzubieten. Also tendiere ich sogar eher zu DSA 1. Um einen richtigen Mehrwert anzubieten, wäre freilich was ganz anderes (Sci-Fi oder so) noch besser. Aber hier sehe ich eigentlich außer Gamma World oder so nix, wo die Spieler so einfach einsteigen können wie mit OD&D und DSA 1.
Ich werde da noch mal in mich gehen, bis es so weit ist mit den Open Tables. Ich fände es jedenfalls schön, wenn es verschiedene Runden gibt, die jeweils ihren eigenen Appeal haben und möglichst viele Geschmäcker bedienen.
P.S. Wenn ich vom Setting her denke, dann gibt es mMn neben Fantasy nur noch so Sachen wie Harry Potter, Star Wars oder (in geringerem Maße) Star Trek, wo sich ein Großteil der Leute auskennt bzw. dafür begeistern kann. Star Wars wäre schon super (und hätte auch einen echten Mehrwert gegenüber den OSR-Sachen), aber die Systeme, die es dafür gibt, sind eigentlich alle zu kompliziert und Pregens finde ich nicht gut. Mal schauen....