Autor Thema: Pen & Paper selbst entwerfen  (Gelesen 1926 mal)

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Offline tomi.westrich@zbdev.de

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Pen & Paper selbst entwerfen
« am: 16.10.2023 | 13:59 »
Hallo liebe Community,

ich hatte mit ein paar Freunden eine tolle Idee, die sich hoffentlich nicht als komplette Schnapsidee entpuppt ;)

Wir würden super gerne selbst eine Pen & Paper Runde gestalten. Problem dabei: ich bin der einzige der schon mal eine Runde DnD gespielt hat und das ist ca. 5 Jahre her...die anderen haben wirklich gar keinen Plan. Vorteil allerdings (denke ich zumindest): unser Erzähler hat zwar kein Plan von Pen & Papers ist aber begnadeter Fantasy-Autor und hätte eine wunderbare Welt zu bieten in der wir uns fortbewegen können.
Das ist die Ausgangslage  :D

Die Frage ist also: ist es möglich von dieser Ausgangslage ein eigens Pen & Paper zu gestalten und zu spielen? Wenn ja, wie gehen wir das ganze an? Uns würde auch erstmal ein weniger komplexes System ausreichen. Ich habe mir auch schon ein paar Videos zu dem ganzen Thema angeschaut und nochmal nachgelesen, aber irgendwie weis ich nicht so ganz wie man das angeht...und ob es überhaupt Sinn macht ohne eine Person, die wirklich Ahnung von PnP hat sich daran zu wagen. Grundsätzlich sind wir zwar bereit uns ein Haufen Zeug durchzulesen, aber Erfahrungen sind ja doch ein besserer Lernpartner als pure Theorie.

Verzeit falls da "dumme" Fragen drin sind, ich habe hier einfach mal versucht meine Gedanken zu teilen und bin sehr dankbar über eine ernsthafte Hilfe eurerseits :)

Beste Grüße
Tom

Online ghoul

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #1 am: 16.10.2023 | 14:12 »
Hallo und willkommen!

Das ist gar keine dumme Idee, im Gegenteil!
Viele spielen in selbstgeschriebenen Welten.

Welches Regelsystem? Die Geschmäcker sind so zahlreich wie die Spielleiter...
D&D5 soll ja einem sehr breiten Geschmack genügen.
Ich persönlich würde ja das altmodischere ALRIK empfehlen: https://alrik.snafu.zone/wiki/Alrik

Wirklich wichtig finde ich aber, dass der Spielleiter sich darüber klar sein sollte, eine offene Welt anzubieten, in welcher die Spieler den Plot anhand ihrer Entscheidungen, Erfolge und Misserfolge gestalten. Als Romanautor ist man es wohl eher gewohnt, sich eine Handlung von Anfang bis Ende selber auszudenken. Diese Schule gibt es im Rollenspiel auch (DSA bspw.), ich persönlich halte sie für einen großen Fehler.
Andere werden mir gewiss nachfolgend widersprechen ...  ;D
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PESA hilft!
PESA diskutiert.

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Offline CK

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #2 am: 16.10.2023 | 14:20 »
Klar kann man so anfangen, zumal Du ja schon weisst, wie der Hase in etwa läuft.
Man muss nicht erst 10 Jahre Spieler in einer Runde sein.

Vielleicht hilft Dir dieses Spielleiter-Tutorial etwas.
« Letzte Änderung: 16.10.2023 | 14:22 von CK »

Offline Toht

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #3 am: 16.10.2023 | 16:12 »
Hallo. Auch mich hat vor vielen Jahre  schon die Lust am Designen eines eigenen Systems gepackt.

Für den Anfang finde ich wichtig für sich selbst klar zu machen welches Spielgefühl will man erreichen, was soll im Fokus stehen und solche Überlegungen.

Danach sollte man sich auf den Hauptmechanismus zur Auflösung von Unklarheiten einigen (z.B. Zielwert überwürfeln/unterwürfeln? W20+Modifikatoren?  2W6? Poolsystem mit Anzahl an Erfolgen? Usw usw...da gibt es unzählige Möglichkeiten und alle haben gewisse Vor- und Nachteile. Das ist eine Geschmacksfrage bei der es keine klare Antwort gibt die aber auch massiven Einfluss aufs Spielgefühl hat.

Sieh dich doch bei Interesse gern mal im "Eigententwicklungen"-Unterforum hier im Tanelorn um und beteilige dich an Diskussionen oder öffne ein eigenes Thema. :)

Offline Metamorphose

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #4 am: 16.10.2023 | 17:31 »
Sieh dich doch bei Interesse gern mal im "Eigententwicklungen"-Unterforum hier im Tanelorn um und beteilige dich an Diskussionen oder öffne ein eigenes Thema. :)

Dem schliesse ich mich an :)
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Offline CK

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #5 am: 16.10.2023 | 18:23 »
Geht es hier tatsächlich um das Entwickeln eines Systems oder das Aufstellen einer regelmäßig Gruppe (was ich zuerst annahm)?

Offline KhornedBeef

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #6 am: 16.10.2023 | 20:33 »
Verzettelt ihr euch da nicht? Baut doch erstmal die Gruppe auf, nehmt ein einfaches System, das man ein wenig hacken kann (meinetwegen ALRIK, oder The Black Hack, oder so) und spielt erstmal und guckt was euch liegt, oder stört. Taktische Kämpfe? Püppchen schieben oder Over-the-top wirework? Charakterentwicklung durch "+5 damage" oder doch "Karrieresprung bei der Diebesgilde"?
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Ich vergeige, also bin ich.

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Offline klatschi

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #7 am: 17.10.2023 | 13:29 »
Hallo liebe Community,

ich hatte mit ein paar Freunden eine tolle Idee, die sich hoffentlich nicht als komplette Schnapsidee entpuppt ;)

Wir würden super gerne selbst eine Pen & Paper Runde gestalten. Problem dabei: ich bin der einzige der schon mal eine Runde DnD gespielt hat und das ist ca. 5 Jahre her...die anderen haben wirklich gar keinen Plan. Vorteil allerdings (denke ich zumindest): unser Erzähler hat zwar kein Plan von Pen & Papers ist aber begnadeter Fantasy-Autor und hätte eine wunderbare Welt zu bieten in der wir uns fortbewegen können.
Das ist die Ausgangslage  :D

Die Frage ist also: ist es möglich von dieser Ausgangslage ein eigens Pen & Paper zu gestalten und zu spielen? Wenn ja, wie gehen wir das ganze an? Uns würde auch erstmal ein weniger komplexes System ausreichen. Ich habe mir auch schon ein paar Videos zu dem ganzen Thema angeschaut und nochmal nachgelesen, aber irgendwie weis ich nicht so ganz wie man das angeht...und ob es überhaupt Sinn macht ohne eine Person, die wirklich Ahnung von PnP hat sich daran zu wagen. Grundsätzlich sind wir zwar bereit uns ein Haufen Zeug durchzulesen, aber Erfahrungen sind ja doch ein besserer Lernpartner als pure Theorie.

Verzeit falls da "dumme" Fragen drin sind, ich habe hier einfach mal versucht meine Gedanken zu teilen und bin sehr dankbar über eine ernsthafte Hilfe eurerseits :)

Beste Grüße
Tom

Die Antwort: ja klar. Gehen tut das.

Die Gegenfrage: aber warum? Wisst ihr was ihr spielen wollt und was ihr im System abbilden wollt? Evtl gibt es ja was, was genau euren wünschen entspricht - dann nehmt das, spart euch Zeit, die ihr für das spielen selbst verwenden könnt und alles ist perfekt :) spielen ist nämlich tatsächlich meist einfach das wichtigste ☺️

Es gibt rollenspielsysteme wie Sand am Meer, da würde ich erst einmal schauen ob nicht irgendwas genau euer Ding ist.
« Letzte Änderung: 17.10.2023 | 16:30 von klatschi »

Offline Feuersänger

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #8 am: 17.10.2023 | 13:49 »
Ich würde auch sagen: ein Setting selber schreiben -- klar, haut rein.
Selber ein neues System schreiben -- würde ich die Finger von lassen. Mindestens, bis man - sagen wir mal - 7 veröffentlichte Systeme kennt und weiss, was deren Stärken und Schwächen sind und wie diese zustande kommen.

That said, hat vermutlich schon beinahe jeder Rollenspieler sich mindestens einmal irgendwann an einer Eigenentwicklung versucht. ^^
Der :T:-Sprachführer: Rollenspieler-Jargon

Zitat von: ErikErikson
Thor lootet nicht.

"I blame WotC for brainwashing us into thinking that +2 damage per attack is acceptable for a fighter, while wizards can get away with stopping time and gating in solars."

Kleine Rechtschreibhilfe: Galerie, Standard, tolerant, "seit bei Zeit", tot/Tod, Stegreif, Rückgrat

Online Zed

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #9 am: 17.10.2023 | 14:06 »
That said, hat vermutlich schon beinahe jeder Rollenspieler sich mindestens einmal irgendwann an einer Eigenentwicklung versucht. ^^
Das.  ::)

Offline tomi.westrich@zbdev.de

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #10 am: 5.11.2023 | 12:31 »
Vielen Dank für eure ganzen Antworten! Das hilft sehr :)

Es geht nicht darum ein eigenes neues System zu entwickeln, sondern ein bestehendes System zu nutzen und eine eigene Welt/Setting zu basteln. Die Frage war mehr wie da das beste Vorgehen ist, da eben der Erzähler von uns keinerlei Erfahrung hat und wir dementsprechend am liebsten simpel reinstarten wollen und uns dann langsam "hocharbeiten".

Online JollyOrc

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #11 am: 5.11.2023 | 12:41 »
Vielen Dank für eure ganzen Antworten! Das hilft sehr :)

Es geht nicht darum ein eigenes neues System zu entwickeln, sondern ein bestehendes System zu nutzen und eine eigene Welt/Setting zu basteln.

ah, das ist.. einfacher?

Zumindest ist die Hürde etwas niedriger. Ich würde damit anfangen, dass Ihr Euch überlegt, was Ihr in so einem Setting sehen und erleben wollt? Liebesschnulzen, außerweltlichen Horror, Mantel&Degen Action, oder Zero-to-Hero Heldenreisen an deren Ende es um nicht weniger als die Rettung der Welt geht?

Sammelt also als Gruppe Elemente die Ihr gerne haben wollt:
  • Fantasyvölker, die es geben sollte
  • Besondere Orte, die Ihr mal besuchen wollt
  • Szenen, die Ihr "cool" findet.
  • Waffen und Zauber, die ihr sehen oder insbesondere nicht sehen wollt
  • usw.

Sammelt Bilder, Referenzen, etc. Klaut gerne überall, oder lasst Eure Fantasie spielen.

Im Ergebnis hat Euer Erzähler dann einen Katalog von Dingen, und kann anfangen, die irgendwie zu sortieren und in Relation zueinander zu stellen:

"Dieses Volk nutzt jene Waffen und sieht SO aus."

"Diese Stadt ist DARUM untergegangen."

"Der große Konflikt im Hintergrund IST..."

Damit kann man dann schon fast loslegen, und dann Stück für Stück die Lücken füllen. Dann lernt man, warum da der große Konflikt ist, wieso eine Stadt untergegangen ist, und weshalb die Helden jetzt losziehen.
Fürs Protokoll: Ich bitte hiermit ausdrücklich darum, mich in der Zukunft auf schlechte oder gar aggressive Rhetorik meinerseits hinzuweisen. Sollte ich das dann wider Erwarten als persönlichen Angriff werten, bitte auf diesen Beitrag hier verweisen und mir meine eigenen Worte um die Ohren hauen! :)

Offline klatschi

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #12 am: 5.11.2023 | 12:46 »
Ah, gotcha. Ich bin dabei so vorgegangen:
  • Ich habe mir ein paar Notizen zu Elementen gemacht, die ich dringend in meiner Welt haben wollte und die gesetzt sind, alles zusammengeschrieben und den Spielern gegeben. Mir ging es darum, nicht ein Dokument zu haben, auf dem auf 100 Seiten jedes Detail geregelt ist, sondern bei dem die Stimmung rüberkommt.
  • Dann habe ich einen kleinen Bereich ausgearbeitet, der für die ersten Abenteuer ausreichend war. Ich habe das so gemacht, dass ich verfügbare Abenteuer mit wenig Aufwand in diesem Bereich ansiedeln kann.
  • Alle anderen Elemente entwerfe ich mit den Spielern zusammen, wenn wir sie brauchen. Wenn wir sie nicht brauchen, werden sie spontan gesetzt oder einfach gar nicht thematisiert.

That's it. Immer vom Kleinen zum Großen, ich würde davon abraten eine Welt "top down" zu machen, außer, man will viel viel Zeit dabei investieren und kann damit leben, dass am Ende vieles davon nie eine Rolle spielt. Da mir das Spielen wichtiger ist als das Weltenbasteln, habe ich mit wenig Aufwand genug Material um loszulegen und alles andere gibt sich. Plus: Die Spieler:innen sind beteiligt und somit auch stärker verhaftet.

Online Kurna

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #13 am: 5.11.2023 | 12:54 »
Ähnlich wie klatschi würde ich d erst einmal nur die Startregion etwas ausarbeiten plus einen ganz groben Überbau. Da du schreibst, dass der Erzähler schon eine eigene Welt hat, könnte er (oder ihr zusammen, falls ihr sie schon etwas kennt), sich dann noch überlegen, welche Fantasyvölker und Klassen aus eurem gewählten System zu seiner Welt passen. Den Rest könnt ihr wegfallen lassen.
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Offline Dr. Beckenstein

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #14 am: 5.11.2023 | 15:13 »
Ich schließe mich mal generell den anderen an, empfehle aber mal Gurps. Das ist wesentlich Einsteigerfreundlicher als andere Systeme, und eine kostenlose Demoversion gibt es hier.

Offline CK

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #15 am: 5.11.2023 | 16:21 »
Geht es hier tatsächlich um das Entwickeln eines Systems oder das Aufstellen einer regelmäßig Gruppe (was ich zuerst annahm)?

Schön, dass das mal geklärt wurde.

Neben den hier genannten Tipps zuer Aufstellung eines Grundgerüsts ist imho das Wichtigste: Spielt alsbald wie möglich in der Welt. Dadurch erste ergeben sich Details, die die Welt mit Leben füllen. Macht ein grobes Weltengerüst, schnappt Euch dann aber auch eine kleine, überschaubare Ecke, wo ihr die Welt "vor Ort" selber erkundet.

Online First Orko

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #16 am: 7.11.2023 | 14:15 »
ich hatte mit ein paar Freunden eine tolle Idee, die sich hoffentlich nicht als komplette Schnapsidee entpuppt ;)

Wir würden super gerne selbst eine Pen & Paper Runde gestalten. Problem dabei: ich bin der einzige der schon mal eine Runde DnD gespielt hat und das ist ca. 5 Jahre her...die anderen haben wirklich gar keinen Plan. Vorteil allerdings (denke ich zumindest): unser Erzähler hat zwar kein Plan von Pen & Papers ist aber begnadeter Fantasy-Autor und hätte eine wunderbare Welt zu bieten in der wir uns fortbewegen können.
Das ist die Ausgangslage  :D

Die Frage ist also: ist es möglich von dieser Ausgangslage ein eigens Pen & Paper zu gestalten und zu spielen?

Ehrliche Antwort: Ja es ist möglich - aber die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht gut wird, ist sehr groß. Das ist wie beim Handwerkern: Das erste Projekt wird sehr wahrscheinlich nicht besonders schön - und im schlimmsten Fall funktioniert es nicht mal ordentlich. Die Frage ist dann: Wäre es dann günstiger gewesen, etwas Fertiges zu kaufen und hätte ich dadurch weniger Stress?
Oder ist für mich der Weg das Ziel: dann weiß ich, was ich dazugelernt habe und mache es eben nochmal - lebe bis dahin mit dem Provisorium.

Wenn ich das richtig herauslese, hat nur einer aus eurer Runde -du selbst- Erfahrung in genau einem System. Und ihr habt jemanden, der gerne mit euch seine Welt bespielen würde. Das ist eine recht schmale Basis - eine, auf der man aufbauen kann, die man vor dem Bauen aber auch erstmal stärken könnte. Daher meine Tipps für ein weiteres Vorgehen:

1. Ausprobieren
Lest und probiert erst einmal unterschiedliche Systeme aus verschiedenen Systemfamilien aus - vorzugsweise in jeweils wenigen Sitzungen statt langer Kampagnen. Vielleicht auch erstmal nur die Schnellstartregeln und fertige Szenarien ausprobieren, um Zeit zu sparen.

2. Anpassen
Wenn ihr ein paar kennengelernt habt und euch eines besonders gefällt: Konvertiert eure Spielwelt auf dieses System, da findet ihr dann ziemlich sicher erfahrene Spielende online, die euch dabei helfen. Dabei passt ihr das System automatisch schon mit an und sammelt Erfahrungen im Umgang mit Regelmechaniken, Synergien, Balancing usw.

3. Testen
Spielt länger mit dem angepassten System (min 5-10 Sitzungen). Dabei werdet ihr schnell merken, was funktioniert und was nicht und ob und wie gut (oder schlecht) sich das System anpassen lässt, Dinge umschreiben, eigene Regeln ändern oder wieder verwerfen usw.

4. Eigenes System
Wenn ihr dann mit eurem "Hack" noch nicht zufrieden seit: Guckt euch die Elemente aus all den gespielten Runden und Systemen an, die ihr gut findet. Prüft, ob die die Spielwelt gut wiedergeben und baut euer System schlussendlich selbst.

Der Übergang von 3 -> 4 ist dabei fließend und nicht unbedingt eine bewusste Entscheidung.

Das mag mühsam und langwierig erscheinen und ringt der Gruppe eine gewisse Offenheit gegenüber Ausprobieren, Scheitern, Lernen und Verbessern ab. Ich bin aber der Meinung, dass dieser Weg mit mehr Freude und weniger Frust gezeichnet sein wird, als fast ohne jegliche Vorkenntnisse loszulegen. Regeldesign ist einfach eine völlig andere Disziplin, als das Erschaffen einer Spielwelt. Schlechtes Regeldesign entsteht sehr leicht und schnell, wenn man wenig Vergleichsmöglichkeiten hat und frustriert dann im schlimmsten Fall nur.
It's repetitive.
And redundant.

Discord: maniacator#1270

Dir ist schon klar, dass es in diesem Forum darum geht mit anderen Leuten, die nix besseres mit ihrem Leben zu tun haben, um einen Tisch zu sitzen und sich vorzustellen, dass wir Elfen wären.

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #17 am: 7.11.2023 | 15:00 »
@First Orko
Beachte diese folgende Ergänzung des TE weiter unten im Strang:
Zitat
Es geht nicht darum ein eigenes neues System zu entwickeln, sondern ein bestehendes System zu nutzen und eine eigene Welt/Setting zu basteln. Die Frage war mehr wie da das beste Vorgehen ist, da eben der Erzähler von uns keinerlei Erfahrung hat und wir dementsprechend am liebsten simpel reinstarten wollen und uns dann langsam "hocharbeiten".

Es geht also eigentlich nur um den ersten Schritt aus deiner Liste und das gemeinsame weitere Ausarbeiten der Spielwelt.
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Offline Feuersänger

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #18 am: 7.11.2023 | 17:32 »
Also auch nochmal die Antwort fürs Protokoll: eigene Welt schreiben ist absolut kein Problem (außer natürlich der Zeitaufwand). Hat natürlich den immensen Vorteil, dass man sie genau so schreiben kann, dass sie den eigenen Wünsche, Vorstellungen und Vorlieben entspricht. Zauberhafte Hotzenplotz-Märchenwelt? Neue Deutsche Dysternys? Points of Light? Zombie Apokalypse? Alles kein Problem. ^^

Um nicht erstmal jahrelang vor lauter Ausarbeiten nicht zum Spielen zu kommen, finde ich da folgendes Vorgehen empfehlenswert:
Man fange erstmal mit einer kleinen, überschaubaren Region an. Eine Stadt, ein Wald, ein Berg oder Gebirge, so in der Art. Oder meinetwegen auch zwei Fürstentümer, die miteinander im Clinch liegen, wenn das eine Rolle spielen soll. Und dann fügt man peu a peu weitere Setzungen hinzu, wie sie sich ergeben. Hier in dem Berg bräuchten wir eine Zwergenfestung? Hier in dem Berg ist jetzt eine Zwergenfestung.
Wenn man irgendwann Monate später feststellt, dass jetzt doch etwas nicht passt, kann man jederzeit retconnen.

Ich mache das zB ganz gern, dass ich in meiner eigenen Homebrew-Welt Print-Abenteuer leite (weil ich faul bin). Da muss ich mir dann eben überlegen, in welches Fleckchen der Welt jetzt dieses AB-Setting reinpasst. Und da mir ein ganzer Planet zur Verfügung steht, ist das auch überhaupt kein Problem. Vorher war diese Stelle der Küste nicht ausgearbeitet - jetzt ist da eben Saltmarsh.
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Offline Doc-Byte

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #19 am: 7.11.2023 | 19:26 »
Für den Weltenbau finde ich Karten auch sehr hilfreich, um einen Überblick zu bekommen. Das muss ja nicht gleich eine
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sein und eine Handskizze tut es für den Anfang auch, wenn man sich erstmal nicht auch noch mit den diversen Kartentools, die es heutzutage gibt, beschäftigen will. Tatsächlich kann man auch andersherum erstmal nur die Heimatregion der SCs und die nähere Umgebung entwerfen und von da aus die Karte erweitern, wenn es durch das Spielgeschehen nötig wird. Das bietet sich vor allem für neue Welten an. Besteht das Setting schon länger, gibt es hingegen meistens schon gewisse Vorstellungen von der "gesamten" Welt und es kann sinnvoller sein, mit einer Weltkarte zu starten und dann im laufenden Spiel die Orte (und auch Lücken) darauf mit Leben zu füllen, wenn der Plot die Gruppe dort hin verschlägt.
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Offline unicum

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Re: Pen & Paper selbst entwerfen
« Antwort #20 am: 8.11.2023 | 08:57 »
Eine eigenentwicklung eines neuen Systemes halte ich für die Mühe nicht (mehr) wirklich wert.
Etwas überspizt formuliert - das Rad wurde zwar sicher mehr als einmal erfunden aber zu versuchen heute nochmal ein rad zu erfinden ist etwas umsonst.
Es gibt da draussen so vieles, das man eigentlich das passende Rad finden könnte und mittels Hausregeln die passenden Felgen auch dazubasteln kann.

Ein Setting neu zu schreiben ist da etwas anderes.

Wäre ich noch ein unbeschriebenes Blatt, würde ich mir tatsächlich erstmal anschauen was "der Markt" so hergibt an Systemen und was zu der Idee die ich bespielen will dann am ehesten passt. Wobei die Gefahr durchaus besteht das man sich "am Markt" erstmal verkauft. Deswegen würde ich eher noch vorschlagen: Vor dem Kauf ausprobieren. Will sagen: Geht auf einen Con und spielt man verschiedene Systeme, habt dabei immer im Hinterkopf das ein guter Spielleiter ein schlechtes System auf hochglanz polieren kann,... und ein schlechter Spielleiter eben auch ein gutes System echt mieß machen kann.

Wobei es eigentlich keine guten und schlechten Systeme gibt - es gibt eher Systeme die (zu den Spielern) passen und Systeme die nicht passen.

Vieleicht mal schauen das man ein sehr regelleichtes Sytsem zu beginn mal spielt und dann ein eher regelschweres System und dann kann man sich anschauen wo der eigene Wohlfühlspot sein könnte.

Für den Weltenbau gibt es eigentlich, unter anderem, zwei große Konzepte "vom kleinem zum großen" und umgekehrt. Ersteres ist einfacher, man fängt mit einem Dorf an und baut dann, vieleicht sogar erst "nach bedarf" weiteres aussenrum. bei zweiterem hat man eine weltkarte überlegt wo welche Länder sind, was die für Probleme haben etc pp.