@nobody@home: Ja, in "klassischer" Fantasy geht es zumeist darum, eine als gerecht oder gar gottgegeben gedachte Ordnung gegen einen Einbruch des Bösen zu verteidigen bzw. wieder herzustellen, weniger darum, eine neue Ordnung anzustreben. Es wurde ja auch viel darüber diskutiert, ob der Herr der Ringe eine Allegorie des Zweiten Weltkriegs darstellt (was Tolkien bekanntlich vehement zurückzuweisen pflegte), und das entspricht auch der Sichtweise von Leuten wie Churchill oder de Gaulle, oder vielen (nicht allen) Widerstandskämpfern, auf Hitler und den Zweiten Weltkrieg: sie waren Konservative, die die von Hitler in Frage gestellte Vorkriegsordnung wieder herstellen und nur so weit verändern wollten, wie nötig, um einen weiteren solchen "Unfall" künftig zu vermeiden. Am ehesten findet man den revolutionären Aspekt, eine bestehende Ordnung umstürzen zu wollen, noch in manchen Cyberpunk-Geschichten und anderen Dystopien, aber auch da ist das eher die Ausnahme, da geht es meistens einfach nur darum, in der brutalen, ungerechten Welt irgendwie zu überleben.
@caranfang: Dann haben wir halt verschiedene Definitionen von "Solarpunk"; und ich glaube, die allgemein gültige Definition gibt es (noch) nicht, weil das Genre noch so jung und der Terminus noch jünger ist. Das ist alles noch im Entstehen, und einen "Kanon" der Solarpunk-Literatur (von Filmen und anderen Medien ganz zu schweigen) gibt es auch noch nicht. Das kann eben sehr leicht zu Missverständnissen führen. Man kann sich beispielsweise darüber streiten, ob eine Geschichte, die in den Trümmern der durch die Klimakrise zerstörten Zivilisation spielt und von dem Versuch handelt, die Welt wieder aufzubauen und "es dies mal besser zu machen", Solarpunk ist oder nicht. Viele finden, das sei durchaus dem Solarpunk zuzurechnen, und ich will auch nicht behaupten, dass es kein Solarpunk sei; ich maße mir hier keine Deutungshoheit an. Es ist eben nur nicht das, was ich machen möchte. Vielleicht ist "Solarpunk" für das, was ich vorhabe, auch gar nicht der richtige Ausdruck (siehe auch mein Unbehagen an dieser Wortschöpfung, das ich in dem anderen Thema zum Ausdruck gebracht habe).
@Feuersänger: Das siehst Du durchaus richtig. Ein blutiger Umsturz ist meiner Meinung nach nicht der Weg, die Welt zu retten, das geht nur mittels demokratisch legitimer Mittel - aber dazu müssen wir alle demokratisch legitimen Mittel nutzen, denn die Sache ist dringend. Und daraus kann man, denke ich, durchaus ein spannendes Rollenspiel machen, in dem die SCs Umweltaktivisten, Whistleblower oder investigative Journalisten sind.