Naja, die Macher von M6 befinden sich in der gleichen Situation, wie die Frankes in den 80ern.
Damals war die Midgard Spielwelt Magira, die Welt von Follow und dem EDFC und die Schöpfung war auch ein Gesamtprodukt von vielen AutorInnen.
Und die waren teilweise nicht einverstanden, dass ihre Kreationen in einem öffentlich erwerbbaren Spiel erlesen werden sollten.
Also nutze man das, was man konnte, verfremdete so viel, wie man musste und dichtete den Rest dazu und nannte die Welt Midgard.
Und eigentlich passiert bei Damatu auch nicht so viel anderes, nur dass eben in Sachen Spielwelt fast nichts übernommen und dafür sehr viel neu gemacht wird.
Bei den Spielregeln läßt sich nichts schützen und die stammen primär aus der Feder von Jürgen Franke, so dass da Verhandlungen über Lizenzen noch einfach sind.
Bei der Spielwelt, wie Meeresdruide schreibt, wird man kaum einen anderen Weg gehen können.
"Edition-Wars" sind ganz normal und wohl auch unvermeidlich. Denn die Spielenden eines Systems dürften nicht leidenschaftlich mit ihrer Spielwelt verbunden sein, um das zu vermeiden - dann aber wäre es auch albern, eine IP weiterführen zu wollen, weil sie keine Fanbase hat. Was wäre das denn für ein Zeichen, wenn alle "ja, macht ruhig, uns ist das Rollenspiel, das wir die letzten 30 Jahre gezockt haben, eigentlich egal - spielen wir halt das neue" sagen würden?
Nein, man darf unglücklich darüber sein, dass die alte Midgard Welt bald kaum noch Zulauf von neuen Leuten bekommt und in der öffentlichen Wahrnehmung bald nur noch Damatu die Spielwelt von Midgard sein wird. Und nicht wegen Damatu oder eben auch doch. Man muss das neue nicht mögen. Man darf es.
Ich hätte mir gewünscht, dass die bisherigen Werke irgendwo greifbar bleiben - auf Drivethru zum Beispiel, mit Pegasus als Verkaufsverlag. Und dass man die Spielregeln (Kodex, Arkanum, ...) vielleicht als Creative Commons ausstellt, so dass diese jeder nutzen kann und man so dem ersten deutsche Rollenspiel ein Denkmal setzt.
Einfach, damit die Rollenspieler auch in ...zig Jahren noch auf die Ideen dieser Spielwelt stoßen und sich daran erfreuen können.
Bei den M6 Spielregeln gefallen mir sehr viele Neuerungen sehr und die sehe ich auch als wirkliche Verbesserungen. Dazu zählt für mich zum Beispiel der Verzicht auf Eigenschaften und das Vor- und Nachteilsystem.
Es gibt nur eine Regelung, die mich stört und zwar dann auch gleich so stark, dass ich die M5 Regeln bevorzuge - der Umgang, von Erlernen neuer Fertigkeiten. Ich finde es extrem schlecht, dass jetzt alle Fertigkeiten gleich gezogen werden und der eine seine Nahkampfqualitäten 'minmaxen' kann, während sein Mitspieler vielleicht mehr auf Spielwelt-Plausibilität setzt und nachher dumm aus der Wäsche schaut. Da empfand ich die Regelung von Midgard 5 viel viel besser. Du hast eine Fertigkeit "gekauft" und hattest einen festen Startwert, der maximal noch von den Eigenschaften beeinflusst wurde. Und Kampffertigkeiten fingen mit +5 an. Ich emfpinde das als genial und deswegen wird die freiere Regelung von M6 der persönliche Showstopper sein, der mich M5 weiterspielen lässt.
Bei der Spielwelt bin ich durchaus neugierig auf Damatu, empfinde aber auch Trauer, dass die Midgard 5 Welt jetzt noch mehr eine Spielwelt der "alten Garde" werden wird, weil sie aus der öffentlichen Wahrnehmung und der Verfügbarkeit verschwinden wird. Midgard als Spielwelt war für mich immer ein "besseres" Aventurien - besser nicht, weil objektiv besser, sondern weil es das, was ich gerne in einer Fantasy Welt haben möchte, transportiert hat. Stimmung und die Kulturen waren genau mein Ding. Midgard hat in vielen Dingen eine Art "nach Hause kommen" für mich persönlich bedeutet. Und ich finde es sehr schade, dass das zukünftig kaum noch jemand neues erleben darf. Ich persönlich und meine heimische Spielrunde sind da noch nicht einmal betroffen, denn wir haben alle Veröffentlichungen. Kodex & Arkanum hat sogar jeder einzelne Spieler in Besitz.